Mit minus 2 Grad, Morgenrot, Nieselregen und einem Hauch von Regenbogen begann ...

 ... der Montagmorgen. Im Team beschlossen wir, eine kleine Umstellung auszuprobieren: ... 


Wenn alle Kinder anwesend sind, feiern wir zuerst Morgenkreis, Vespern anschließend und gehen dann zum Melken und nach draußen. Für heute hat es sich schon gelohnt, denn die Kleider wurden erst nach dem Vespern nass und nicht schon vor dem Morgenkreis. Die Geschichte heute erzählte, wie Jesus über 5000 Menschen mit Essen versorgen konnte, obwohl die Jünger anfangs nur fünf Brote und zwei Fische bei sich hatten. Nach dem Jesus gebetet hatte, reichte das bisschen Essen für alle und es bleiben noch 12 Korbe voll übrig. Wenn Jesus gibt, dann gibt er reichlich. Besonders gefreut hat uns heute unser achtes Kind mit Namen Leif; er war zum zweiten Schnuppertag bei uns, in Begleitung von Mama. Leif fühlt sich sichtlich wohl, obwohl wir uns im Dauer-Schneeregen nur für eine gute Stunde draußen im Matschschnee aufhielten, um mit den Poporutschern zu rutschen.

Die restliche Zeit verweilten wir im Trockenen in unserer Villa. Es wurde gemalt und einige Interessierte füllten weitere Eierschachteln mit Hobelspänen für die Holzanzünder. Fürsorglich wie Rebecca ist, hat sie sich zuerst um Klara’s Fell gekümmert und ihr liebevoll die feuchten Haare gebürstet. Ins Wetterblatt schrieben die Großen morgens minus 2, mittags 0 Grad, mit Schnee, Regen und Wolken.

Mit minus 1 Grad am Dienstagmorgen hatten wir noch allen Schnee von gestern. Somit war klar, womit die Kinder das Freie Spielen verbringen würden. Im Morgenkreis sangen wir zum ersten mal wieder unser  „Guten Morgen liebe Sonne“-Lied, weil es jetzt vermutlich keinen neuen Schnee mehr geben wird. Desirée hat ihre Lerngeschichte gleich mal für Leif geschrieben, der sowas noch nicht kennt, aber wohl verstand, dass da von ihm die Rede ist.




Beim Vespern beschlossen die Kinder, erst mal draußen im Schnee zu arbeiten und zu spielen. Leif erklärte indes seiner Mutter, dass sie ruhig gehen könne. Und er hat es wirklich geschafft, zwei Stunden ohne Mama zusammen mit den andern Kindern bei uns zu sein. Desirée ging mit ihm zum Hühner füttern und noch Heu für die Kühe und Schafe   „in die Rutsche runterwerfen“. Den Schneeberg vorm Haus bearbeiteten die Kinder mit Schaufeln und Hacken, gruben bis zum Boden, stachen Eisplatten aus und schaufelten sich ein Schneebett. In einer Schweigeminute lauschten wir den ersten Vogelstimmengesängen im Wald  -  bislang noch unbekannt, aber wir lernen ja gemeinsam. Bis gegen halb zwölf wurde gerutscht. Gut nass und etwas fröstelnd verkrochen wir uns in die Villa, wo nach großem Kleiderwechseln wieder eine Mal- und Schneiderunde am Tisch stattfand. Und schon hieß es Wetterblatt ausfüllen und Anziehen zum Heimgehen.

Mit 0 Grad begann der Mittwoch und schon zum Morgenkreis blinzelten die ersten Sonnenstrahlen zwischen den Wolken hervor  -  „bestimmt, weil wir >Guten Morgen liebe Sonne< gesungen haben!“  Nächste Feststellung: „Oh, die Streichhölzer für die Morgenkreiskerze sind aus!“  „Aber wir können auch Feuer ohne Streichhölzer  machen, mit dem Feuerstahl von Helmut.“  So entzündeten wir die Kerze am brennenden Papiertaschentuch. Desirée hatte eine Lerngeschichte für Vanessa geschrieben und Helmut brachte seinen Milan mit, als Tier der Woche. An der Schwanzform erkennt man den Buchstaben  M,  wie Milan. Beim Vespern beschlossen wir, auf jeden Fall  „in die Sonne zu gehen“, mindestens bis zum Schwenkenhof. Als krönenden Frühstücksabschluss öffnete Desirée unseren ältesten Käselaib: 3 Wochen in der Reifekammer und 6 Wochen im Wachsmantel reiften die 800 Gramm Vroni-Käse. Das Auspacken war richtig spannend und 

 



die Überraschung gelang beim Aufschneiden:  „der sieht aber schön aus!“  staunten alle angesichts der hübschen Löcher. Beim Probieren waren sich alle einig:  „So ein guter Käse kann nur von der Vroni ihrer Milch kommen“  -  „und wenn wir ihn zusammen machen.“  Beim Melken gab uns die Kuhdame heute Morgen gut vier Liter Milch. Draußen wurde gerutscht und geschaukelt. Gegen 10 Uhr suchte unser jüngstes Kind Leif mit Desirée bei den Hühnern vergeblich nach Eiern; dafür fand er aber um 12 Uhr welche und bekam prompt noch eines von Roland Gutekunst geschenkt, samt Schachtel!  Dankeschön! Unterwegs hatte Klara ihre Freude, wenn die Kinder ständig ihren Ball warfen. Wir entdeckten die

 

 

ersten, offenen Haselnuss -„Würstle“, einen Regenwurm im Schnee und hörten hier und da vorsichtige Vogelstimmen. Zurück am Kindi rieben die Vorschülerinnen 30 Holzeier mit Bienenwachs  „vom Roland“ ein, damit sie geschützt sind, wenn wir demnächst mit dem Rechnen anfangen. Die Wetterblätter füllten die Mädchen zum ersten Mal wieder unter freiem Himmel aus: mittags 8 Grad, viel Sonne und wenig Wolken.

Minus 4 Grad zeigte das Thermometer draußen am Donnerstag früh. Vanessa versuchte, mit dem Feuerstahl das Taschentuch für die Morgenkreiskerze zum Brennen zu bringen  -  hätte fast geklappt. Das Besprechen der Regeln hat unter der Regie von  



Rebecca auf dem Sofa hervorragend geklappt. Die biblische Geschichte zur Passionszeit erzählte von der Hochzeit in Kana, wo der Wein ausging und auf Marias Anfrage bei Jesus Wasser in die Krüge gefüllt wurde. Als der Schankmeister kostete, war es zu einem edlen Wein geworden. Die Jünger sagten: Jetzt sehen wir, Jesus kommt von Gott;  und alle feierten fröhlich weiter. Desirée las ihre Lerngeschichte für Isabella vor, die sich gleich erkannte, weil sie am Mittwoch  schon ganz früh im Kindi war und kräftig beim Putzen geholfen hatte. Beim Vespern waren die Ponys und das Reiten großes Thema. Nach dem Vespern und dem Melken hatte sich das Interesse jedoch auf den noch vorhandenen Schnee verlagert, zumal die Sonne so herrlich schien, dass wir hemdsärmelig unterwegs waren. Wir bauten eine Schnee-Rutschbahn, in dem mittels 

 

die Unebenheiten beseitigt und die Löcher aufgefüllt wurden. Als Krönung bauten die Großen noch eine Schanze auf die Schneebahn, die die Poporutschenden fast einen Meter weit  „fliegen“  ließ. Lisa Bauschatz, eine Bauernhofpädagogik-Kollegin von Helmut kam gegen 11 Uhr zum angekündigten Besuch und hat uns von ihrem Bioland-Bauernhof in Riedlingen-Grünigen gleich zwei Spezialitäten mitgebracht: ihr selbstgepresstes Hanföl und 36 Hühnereier. Vielen Dank Dir, Lisa, für Deinen Besuch, Deine Geschenke und Dein Interesse an unserem Bauernhofkindergarten und der großzügigen Unterstützung durch Familie Gutekunst. So war die Zeit bis zum Abholen gefüllt mit Gesprächen, Rutschen, Ballwerfen für Klärle, Milch filtern, Käsevorbereitung  für Freitag und Wühlmaus-Erde im Eimer sammeln für das Treibhäusle.



Minus 1 Grad zeigte das Thermometer am Freitagmorgen draußen im Nebel und es regnete. Zusammen mit Leifs Oma feierten wir Morgenkreis. Weil heute Käsetag angesagt war, stand der Programmplan schnell fest: Nach dem Vespern Tiere füttern und Vroni melken  „und dann bleiben wir im Haus, bei dem Wetter.“  Gegen 10 Uhr hatte das Lab die Milch dick gelegt. Lea schnitt erst mit der Harfe die Säulen und nach 5 Minuten die Würfel. Helmut übernahm das Rühren, weil die Kinder mit Simone allerlei Papierfiguren bastelten und manches Bild entstand. Um 11 Uhr hieß es wieder einmal: Überraschung! Und aus dem Käsetuch schlüpfte 

die frische Käsekugel. Ab damit in die Form und unter die Presse. Nach dem Spülen und Aufräumen gab es draußen nur ein paar klägliche Poporutscherversuche, denn was einmal herrlicher Schnee war, hatte sich in schmuddeligen Matsch verwandelt. Also sammelten die Kinder alle Rutscher ein, befreiten sie von Erde und brachten sie ans Haus. „Jetzt kann der Frühling kommen“, beschlossen wir und hielten fest: „Gestern früh sangen zum ersten Mal ein paar Singvögel und bei Helmut zuhause kamen die ersten Stare aus dem Winterquartier zurück  -  dann kommt der Frühling bestimmt auch bald!“



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