Mit Sturm, Regen und 3 Grad begann der Montag.  ...

... Ferdinand meinte mittags beim Heimfahren im Nebel: „Wir haben doch so schön unser Lied für die Sonne gesungen, aber sie will heute einfach nicht rauskommen.“  


Im Morgenkreis erzählte Helmut, wie Pilatus beschließt, dass das Volk entscheiden soll, was mit Jesus geschieht. Die Priester und Ratsältesten wiegelten das Volk auf, gegen Jesus zu schreien, seinen Tod zu verlangen und den Verbrecher Barabas frei zu fordern. Pilatus  fragt das Volk: „Wen soll ich euch frei geben?“  Alle schreien: „Barabas!“   Pilatus fragt: „Und was soll ich mit Jesus machen, den man den Christus nennt?“  da schreien alle noch lauter: „ Kreuzige ihn!“  Und als Pilatus wissen will, was dieser denn verbrochen habe, schreien sie noch lauter: „Kreuzige ihn, kreuzige ihn!“  Pilatus spürt die Erregung der Menge. Er nimmt eine Schüssel mit Wasser und wäscht darin seine Hände: „Ich habe keine Schuld am Tod dieses Mannes!“ sagt er dabei.  Das ganze Volk schrie: „Soll doch die Strafe für seinen Tod auf uns und unsere Kinder kommen!“ Da gibt Pilatus den Barabas frei. 

 

Jesus lässt er auspeitschen und gibt den Befehl zum Kreuzigen. Die Soldaten bringen Jesus in den Palast des Pilatus.   Wie eine Art Schweigeminute herrschte nach diesen Schilderungen im Morgenkreis  -  „so schlimm sind die alle mit Jesus umgegangen“ meinte Lea, „obwohl er doch nie einem etwas getan hat!“.   Desirée las ihre neuste Lerngeschichte für Anna vor. Während dem Vespern kochten wir die Feuerbohnenkerne von unserer letzten Ernte, denn die Kinder wünschten sich Bohnensalat.  Nach dem Melken konnten wir immerhin trockenen Hauptes zur Burg hinauf wandern, um zu kontrollieren, ob der Froschkönig im Brunnen ist und ob die Tannenmeise wieder in dem Spalt zwischen den Mauersteinen brütet. Beide waren nicht zu finden, also kehrten wir wieder um, denn unsere Bohnenpflänzchen mussten in den Garten verpflanzt werden.




Ferdinand grub die Löcher, Lea setzte die Zeitungspapiertöpfchen hinein und drückte sie mit Erde fest. Leif hielt den Wollknäuel, von dem Jule kurze Stück abschnitt und Anna brachte diese zu Helmut, der damit die dünnen Stängel der Bohnen an den Haselnussstangen festband. 15 Bohnen könnten nun weiterwachsen, wir hoffen es, trotz des Schmuddelwetters.  

Mit noch mehr Sturm und sehr viel Regen begann der Dienstag und blieb auch so. Deshalb wagten wir uns nur zum Füttern und Melken nach draußen. Und selbst beim Heufüttern blies der Sturm so stark, dass uns immer wieder ganze Heuschwaden entgegengeflogen kamen.

Die Soldaten in der Passionsgeschichte treiben ihren Spott mit dem einsam verlassenen Jesus. Sie ziehen ihn aus, hängen ihm einen roten Mantel um und flechten eine Krone aus Dornzweigen, die sie ihm so auf den Kopf drücken, dass Blut fließt. Sie knien vor ihm nieder und lästern: „Hoch lebe der König der Juden!“ Sie bespucken und schlagen ihn mit einem Stock auf den Kopf. Zum Schluss ziehen sie ihm seine Kleider wieder an und führen ihn hinaus, um ihn ans Kreuz zu nageln.  Wieder blieb es im Morgenkreis für eine Zeit ganz still  -  und das ist gut so,  denn wozu Menschen in der Lage sind, das erleben wir ja bis heute  -  und da hilft erst mal kein Geschwätz.  



Desirée hatte für Leif eine Lerngeschichte geschrieben, wie er beim Malen kräftig diskutierte, warum er sein Haus so zeichnet. Mit Schmirgelpapier glätteten wir gemeinsam Blumenblüten, die Helmut aus Holz ausgesägt hatte. Danach bekamen alle einen bunten Anstrich, damit wir sie beim Kunsthandwerkermarkt (26. 4.!) verkaufen können. Überrascht beobachteten wir, wie geschickt und ausdauernd die Kinder mit Pinsel und Farben malen konnten. Nebenher schnitten wir unseren ersten Hartkäse aus Silomilch auf und staunten über dessen Geschmack nicht schlecht, denn eigentlich gehe das Käsen mit Silomilch nicht, aber unser erster schmeckt  „oberlecker!“. Außerdem gab es eine erste Kostprobe vom Bohnensalat; auch nicht schlecht, aber der muss noch eine Nacht ziehen.

Und auch noch nebenher produzierten wir unseren ersten Quark und eine kleine Portion Weichkäse. Desirée und Lea ist nach vielen Versuchen ein interessanter  „Papierhüpfer“ gelungen. Zum Schluss schrieb Lea ins Wetterblatt: Morgens 5, mittags 8 Grad und viel Regen mit sehr viel Sturm.

Mit einer geschlossenen Schneedecke begann der Mittwoch und bis 12 Uhr fiel immer wieder neuer Schnee dazu. Im Morgenkreis ging die Passionsgeschichte weiter: Die Soldaten befehlen, dass Jesus sein Kreuz selber bis auf den Berg Golgatha tragen muss. Jesus bricht mehrfach unter der Last zusammen. Da zwingen die Soldaten einen Mann aus Kyrene, mit Namen Simon, der gerade vom Feld kommt, dass er das Kreuz bis zur Schädelstätte tragen soll. 

 



 Wir hatten wieder diese „Schweigeminute“, um das zu verarbeiten, was Menschen mit Jesus gemacht haben.  Bei Desirée‘s Lerngeschichte freute sich vor allem Jule, als sie erkannte, dass es um ihre Wünsche beim Anmalen der Holzblumen ging. Beim Vespern gab es Kostproben vom gestrigen Frischkäse und ein Stückchen zum Mitnehmen für zuhause. Die geimpfte Milch für einen Quark wurde fest und konnte in ein Käsetuch zum Abtropfen gegossen werden. Die Holzblumen beschäftigten uns dann noch den ganzen Vormittag lang. Nach dem Füttern und Melken hieß es wieder: die neuen Blumen schmirgeln und auf einer Seite anmalen. Helmut bohrte die Löcher für den Stab und bald standen die ersten Schmuckstücke von Kinderhänden gehalten ganz nett im Zimmer.

Da war schon wieder Abholzeit  -  ohne Wetterblatt, aber Lea wird es nachholen: morgens minus 1 Grad, mittags 3, bei Schnee und Sturm und kaum Sonne.

Am Donnerstag zeigte das Thermometer morgens 0 und mittags 2 Grad „und der Regenwassermesser läuft über“, stellte Lea um 12 Uhr fest. Bei Dauerregen und stürmischen Böen genossen wir unsere Villa. In der Passionsgeschichte kamen wir zum schlimmsten und traurigsten Ereignis: Jesus wird ans Kreuz genagelt und die Soldaten stellen es zwischen zwei anderen Kreuzen auf, an den zwei Verbrechern sterben müssen. Ein Schild mit der Aufschrift  „Dies ist Jesus, der König der Juden“ bringen sie noch an. Dann erleidet Jesu einen qualvollen Erstickungstod.



Schaulustige spotten: „Du wolltest den Tempel in drei Tagen niederreißen und in drei Tagen wieder aufbauen! Wenn du Gottes Sohn bist, dann befreie dich doch und steige herunter vom Kreuz!“ Auch die Ältesten und die führenden Priester lästerten: „Er hat sich auf Gott verlassen und behauptet, er sei Gottes Sohn. Wenn das wahr ist, soll Gott ihm doch jetzt helfen!“  Sogar die Verbrecher, die mit ihm gekreuzigt waren, beschimpfen ihn. Von 12 Uhr mittags bis drei Uhr wird es im ganzen Land dunkel. Gegen drei Uhr schreit Jesus lauf auf: „Eli, eli, lema sabachtani“  -  das heißt: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? Jemand steckt einen Schwamm mit Essig getränkt auf eine Stange und gibt Jesus zu trinken. Aber Jesus schreit noch einmal laut auf und stirbt. Da zerreißt der Vorhang vor dem Allerheiligsten im Tempel von oben bis unten. Die Erde bebt und Gräber brechen auf. 

Am Abend kommt ein reicher Mann namens Josef aus Arimatäa, ein Anhänger Jesu. Er lässt sich von Pilatus den Leichnam frei geben. Der Tote wird in ein sauberes Leinentuch gewickelt und in das Grab des Josef gelegt, das in einen Felsen gehauen und noch unbenutzt ist. Dann rollt er einen schweren Stein davor und geht fort. Maria aus Magdala und die andere Maria bleiben dort. Aus Angst, dass der Leichnam gestohlen werden könnte, um dann behaupten zu können, dass Jesus doch auferstanden sei, fordern die führenden Priester und die Schriftgelehrten am nächsten Tag, dem Sabbat von Pilatus, das Grab zu versiegeln und von Soldaten bewachen zu lassen. Der willigt ein.   Mit den Flanellbildern veranschaulichten wir auf schlichte Weise, wie Jesu Leben am Kreuz endete und sein Leichnam ins dunkle Grab gelegt wurde. 



Ganz bewusst beenden wir den letzten Kindergartentag vor Ostern mit diesem traurigen  „Zustand“ und dem verschlossenen Grab. Denn Ostern, also den Auferstandenen feiern wir nach Ostern! Nach der Passionsgeschichte las Desirée vom „Mama Muh“ vor, wie sie zum Schaukeln kam. Unsere Mama-Kuh Vroni gab uns knapp 6 Liter Milch und wer beim Vespern von unserem ersten Quark gekostet hatte, war nun um mindestens einen Sinneseindruck reicher: Aus Vronis Milch können wir außer Butter und verschiedenem Käse auch Quark machen.  

Unsere Holzblumen wurden fertiggemalt und weil unsere Bohnen den Sturm- und den Schneeeinbruch vermutlich kaum überleben, machten wir kurzer Hand neue Zeitungspapierbecher, die Lea mit Erde befüllte. Desirée durfte sich von den Küken drei aussuchen, denn sie wird damit zuhause zur Hühnerhalterin. Eifrig beteiligten sich die Kinder bei der Auswahl: „ein Gelbes, ein Schwarzes und ein Gemischtes“ sollten es sein. Mit guten Wünschen ging es dann für alle auf die Heimreise.



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