Es stürmte und regnete am Montag, 27. Juli, sodass wir ...

... den Morgenkreis im Zimmer feiern mussten. Ein kleines musikalisch - rhythmisches Highlight ...


erlebten wir, als Vanessa gemütlich einen Takt auf ihrer Blumentopftrommel zu schlagen begann und die anderen Kinder unaufgefordert und frei einfach nach und nach einstimmten: nach wenigen Schlägen erklangen alle Trommel im Takt und der passte genau zu unserem Morgenlied-Rhythmus, sodass ich mit der Gitarre fröhlich mit einsteigen konnte. Bei der Planungsrunde überlegten wir, ob es jetzt vielleicht Pilze geben könnte, weil es ja geregnet hatte. Also wanderten wir mit Gummistiefeln, Jacken und Rucksäcken zur Burg hinauf. Schon beim Aufstieg blies der Wind kräftig. Oben auf der Burgruine war er dann noch heftiger und kälter. So vesperten wir zügig und ein echtes Spielen wollte nicht zustande kommen. Deshalb beschlossen wir, wieder zur Villa zu gehen  -  links herum bei den 

Pferden und Kühen vorbei.  Bei den Tieren ist Lea eingefallen, dass sie ja Binsengras zum Flechten braucht. Mutig beschloss sie, den Weg alleine zu gehen. Ich nenne es  „Vorschulprogramm vom Natürlichsten“! Zu Recht sehr stolz saß Lea auf der Bank vor der Villa und flocht einen Binsengraszopf, als wir um die Ecke kamen. Dass man und frau  zu zweit noch besser flechten kann, stellten die Vorschülerinnen fest und Ferdi mit Desirée machten es nach, während die Jüngeren Katzenkindermusik im Nebenzimmer machten. Für jede Familie, die am Erlebnistag Landwirtschaft in Sulzbach mitgeholfen hatte, gestalteten die Kinder noch eine Dankeschöntüte, die mit unserem Holunderblütensirup, einem Glas Waldhonig und zwei Schachteln Ofenanzünder befüllt wurde.




Mit unserem Stand beim Erlebnistag Landwirtschaft des Landschaftsentwicklungsverbandes Mittlerer Schwarzwald konnten wir einen Erlös von über 1000 € erwirtschaften; besonders durch die Crêpes, die Susanne Siegl aus 40 Litern Teig den ganzen Tag lang gezaubert hat, wie auch die Waffeln, die unsere Eltern gebacken und verkauft haben. Wir danken nochmals allen, die uns tatkräftig und durch Spenden unterstützt haben! Besonders danke ich meinem Bruder Wolle für seinen 24-Stunden-Einsatz, meiner Frau Ingrid (ca. 70 Astgabeln bewoben, ...), meiner Tochter Susanne (80 Liter Teig, ...), unserer Familie Gutekunst, die gleich zu mehreren im Einsatz beim Verkauf bis hin zum Abbau waren und dem freundlichen Armin Kaupp, der uns schon morgens sein Zelt anlieferte, beim Aufstellen  und abends wieder beim Abbauen half.

Der Dienstag begann etwas milder und wir feierten Morgenkreis unterm grauen Himmel. Auf meine Einladung schlug Vanessa den Rhythmus auf ihrer Trommel an, traf genau den Takt und alle stimmten fröhlich mit ein. Theresa hatte ein Buch von Tomte mit dabei und Robert las die Lerngeschichte für Lea vor. Länger diskutierten wir, in welche Richtung wir wandern wollen. Schließlich lautete der Beschluss: erst zum Tipi, dort vespern, dann rechts weiter, bis zur aufgegrabenen Quelle und dann noch zum Baumhaus, wo Roland das riesige Loch wieder zubaggern wird.  Weil die Jägerleiter zum Tipi versperrt war, wanderten wir einfach an der Straße entlang bis zur offenliegenden Brunnenstube. Dort wurde gevespert und das Quellwasser beobachtet, das da munter aus einem provisorischen Röhrchen in die noch aus massivem

 



Sandstein gehauene Brunnenstube plätscherte. Unterwegs lagen herrlich dicke Weißtannenstämme, da muss balanciert werden. Anfangs noch etwas vorsichtig und dann immer schneller  -  wer es sich zutraute; und wer nicht, der ging an der Hand, vielleicht 10 mal und dann plötzlich geht’s alleine. Natürlich rennen die Profis auf den Stämmen, die 3-Jährigen, wie die 6-Jährigen mit Begeisterung. Auf dem Rückweg stiegen wir noch die Wiesen hinauf zu Roland und dem Bagger. Klar, dass der die Kinder einlud, mit im Bagger zu sitzen. Leider war die Zeit wieder viel zu kurz.

Elf Grad zeigte das Thermometer am Mittwochmorgen und wir verkrochen uns förmlich ins Morgenkreiszimmer. Vanessa wünschte: „machen wir heute mal ganz dunkel?“ Gesagt, getan, Rollos runter, Kerze an und Tür zu und schon

war’s fast wie Weihnachten. Der Trommelrhythmus geht auch im Dunkeln und klang wieder herrlich. Bei den Regeln (Vanessa im Stehen vor der Gruppe!) und der Monatskette (Leif alleine!) musste man schon genau hinschauen. Als Desirée ihr Bilderbuch vorlesen wollte, wurde doch ein Rollo geöffnet. Bei der Planungsrunde wollten anfangs alle im Kindi bleiben, ließen sich dann aber doch überzeugen, dass es draußen im Wald einfach mehr zu erleben und zu entdecken gibt, als 3 Stunden in der Villa zu hocken. Gut eingepackt ging’s steil bergauf und bald war allen so warm, dass die Jacken in den Rucksack wanderten. Wir entdeckten überall Kalkspuren vom Hubschrauber und Vanessa fand sogar einen kleinen Kalkklumpen, den sie über einem Baumpilz zerbröselte. Apropos Pilze: kein einziges Exemplar sahen wir, weil es immer noch viel zu trocken ist. Wir wanderten fröhlich bis zu den ersten Häusern



von Aichhalden, sahen am Haus von Vanessa’s und Rebecca’s  „Gedde“ den Kater Anton und den gelbblühenden Wiesenwachtelweizen. Natürlich allerlei Käfer, lustig geformte Aststücke, allerlei hübsche Steine, Harz in verschiedenen Formen und den Herrn Gimpel. Von weitem beobachteten wir den Hubschrauber, wie er seine Kalkladungen über den Wälder ausstreute. Ein dickes Büschel aus sehr langem Binsengras pflückten die Vorschülerinnen. In unserer Villa brach dann das große Flechten aus. Rebecca hatte nach wenigen Handgriffen und mittels eines Wollefaden um einen der drei Halme innerhalb weniger Minuten das Flechten zusammen mit Desirée  gelernt und präsentierte stolz ihr erstes Armband. Ich nenne es natürlichen Lernerfolg, frei nach Konfuzius (551 v. Chr. bis 479): „Erkläre mir und ich vergesse, zeige mir und ich erinnere. Lass es mich selbst tun, und ich verstehe.“

Am Donnerstag hat uns Vanessa zu sich nach Hause eingeladen, um ihren Abschied vom Kindergarten zu feiern, weil sie in die Waldorfschule nach Rottweil gehen wird. Es war ein erlebnisreicher Vormittag für alle! Zuerst mussten natürlich sämtliche Hoftiere besucht und bestaunt werden, die sechs Pferde, vier Kühe, die Ziege, drei Schweine, Hasen, Meerschweinchen, jede Menge Hühner, die Katzen und Socke, der Schäferhund. Zum Vespern hatte Vanessa herrliche Weckle und Hörnle gebacken. Anschließend nahm sich Annette den ganzen Morgen Zeit, um mit allen Kindern und den Pferden Lisbeth und Bobby auf dem Longierplatz zu reiten. Ganz im Sinne von Konfuzius kam nach der sehr kindgemäßen Erklärung das Zeigen und dann das Selbsttun. Mit großen Augen staunten wir alle, als Vanessa auf Liesbeth ihr Reitkünste vorführte, als würde sie nichts anderes tun: das reichte vom freihändigen Sitzen über’s Knien bis zum Stehen 

 



und wieder zurück in den Rückwärtssitz, die Fahne, die ganze Drehung über den Gurt in die Bauch- und Rückenlage und dem Abrutschen über den Pferdepo. Das hat nicht nur Lea angespornt, sich einige Versuche auf Liesbeths Rücken zuzutrauen, auch Ferdi traute sich aufs große Pferd und schließlich saß Leif mit seinen 3 Jahren hoch oben, als wäre es das Normalste auf der Welt. Dass die jüngste Tochter des Hauses Kopp, Rebecca natürlich die ersten Kunststücke auch schon beherrscht, hat sie nebenher bewiesen. Die Krönung bot Sarah Kopp, die bisher unsere Kinder auf Bobby über den Platz führte. Sie zeigte  ihre Kunststücke auf Liesbeth’s Rücken und neben dem Gesehenen bei Vanessa kamen mal eben noch die Rolle vorwärts und rückwärts und die Grätsche hinzu. (Ich bitte, meine Unkenntnis in Sachen Reit- und Voltigier-Kunst zu entschuldigen!) Wohl dem, der solch eine Mutter hat! Und wohl den Pferden, die solch eine Erziehung erleben können! Großen Respekt und nochmals sehr herzlichen Dank an Annette für diese unvergesslichen Stunden. Alle Gäste haben beschlossen, bestimmt wieder zu kommen.

Am Freitag hat uns die Sozialgemeinschaft Schiltach / Schenkenzell e. V. ins Gottlob - Freithaler - Haus zu den Seniorinnen und Senioren in die Tagespflege eingeladen. Etwas verspätet kamen wir leider an und wurden von Herrn Bürgermeister Haas persönlich empfangen. Genauso herzlich und freundlich begrüßte uns Herr Esslinger (Heimleitung). Frau Haas, Frau Seeholzer und Frau Armbruster führten uns zu den ersten Tagesgästen und die Kinder verteilten sich fröhlich an die Frühstückstische. So manch wacher Blick und ein überraschtes Lächeln hielten da Einzug, als die Jüngsten ganz natürlich und ohne Vorbehalte ihre ersten Kontakte knüpften. Vesper nach Wunsch hatten wir auch noch nie, Frau Seeholzer und Frau Haas machten‘s möglich. Danach spazierte Frau Haas und Frau Jakob mit allen Kindern durch den Garten der Sinne, was den Jüngsten richtig gut tat. In einem großen Stuhlkreis feierten wir unseren Morgenkreis und wie selbstverständlich stimmten einige Ältere fröhlich mit ein, überlegten bei den Regeln, wovon sie handeln und zählten die Monatskette mit. Nach der Lerngeschichte für

 



Jule gab es erst ein spontanes Klavierkonzert und dann dekorierten wir den Bilderrahmen für unsere Theresa, die nicht dabei sei konnte. Beim gemeinsamen Wollekordeldrehen fanden zwei Gäste ihre große Freude und alle beobachteten und kommentierten das bunte Treiben in der Stuhlkreismitte. Nach elf Uhr packten wir die Bastelsachen ein und zogen mit allen Gästen wieder in den Speisesaal. Wir wurden nochmals eingeladen und als Frau Haas die Speisekarte vorlas, wollten alle Kinder gerne mitessen. Wo gibt es schon Menüs à la carte  für Menschen zwischen 3 und geschätzten 80 Jahren? Die freundlichen Leute vom Gottlob-Freithaler-Haus in Schiltach machen‘s möglich. Und in einer Atmosphäre voller Liebe

 

und Respekt allen gegenüber! Wir haben die Stunden richtig genossen und auf der Heimfahrt waren sich alle einig: wir kommen bestimmt wieder zu den „Alten“ -  „Senioren“ klingt schöner, beschlossen wir und freuen uns auf den kommenden Freitag. Sehr herzlich möchten wir uns bei der Heimleitung Herrn Esslinger und allen Mitarbeiterinnen bedanken, die uns diesen ersten Schritt in eine gemeinsame Zukunft ermöglicht und richtig leicht gemacht haben.  Wer sich für unseren pädagogischen Ansatz in Bezug auf ein Miteinander von „alten und jungen Menschen“ interessiert, findet gute Grundlageninformationen in dem Film von Donata Elschenbroich und Otto Schweitzer (2009): Lebenserwartung. Die Alten und die Kinder in Japan.



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