Vroni übernahm die Begrüßung am Montag: in der Frühe ließ sie ihr ... 

... mächtiges  „Muuuh“ bei jedem Ankommenden erklingen, was natürlich eher ein bettelndes: ...


... „wann kommt ihr endlich zum Melken“  bedeutet.  Im Morgenkreis hatten wir viel zu besprechen, z.B. wie ein Kind Geld verdienen könnte, um die 11 € für das verlorene Taschenmesser zusammen zu bekommen. Brennholz für Familie Gutekunst (und uns) sägen war die Idee: jeden Tag einen Tannenast in fünf Teile, das gibt 1 € pro Tag. Alle waren einverstanden. Zum Melken wurde besprochen, dass wir aus der Milch, die die Kinder melken auch mal Pudding kochen könnten (dahinter steckt natürlich der Anreiz, das Melken interessant zu machen); alle waren sich einig. So kam‘s, dass Joel mit Begeisterung fast einen Liter gemolken hat.  Gevespert haben wir nochmals draußen in der Sonne. Anschließend ging’s, wie besprochen zur Beerdigung. Wir holten unsere selbstgemachten Kinderschaufeln (wohl dem, der solche besitzt  -  gibt’s bei Helmut zu kaufen:  www.unterwegs-gott-zu-schauen.de).

Im Wald suchten wir eine geeignete Stelle. Jade, Joel und Ferdi kümmerten sich um’s Ausgraben.  Danach holten wir mit einem Eimer und zwei Stöcken die tote Katze am Straßenrand ab. Die offenen Augen, das Blut und dass die Katze ganz hart ist beschäftigte natürlich alle. Wir erklärten die Totenstarre und sprachen unterwegs viel über Sterben und Tod. Als Jade dann am Grab die ersten Schaufeln Erde auf die Katze streute, kam es zu den großen theologischen Fragen: „Wo geht die Katze jetzt hin? Kommt sie in den Himmel? Wie sieht eigentlich Gott aus?  Ich möchte den gerne mal sehen ...“  Gut, wenn diese Fragen kommen und erste kleine Antworten genügen, wie: „Niemand kann Gott sehen, denn er ist kein Mensch wie wir; ER ist überall und immer für jeden Menschen und jedes Tier da  -  auch wenn jemand gestorben ist“.  Da war das Grab auch schon zugedeckt und wir kümmerten uns um die Äußeren Dinge: Es wurde ein Holzkreuz 




zugesägt und zusammengenagelt. Aufschrift:  „Katze  16.11.2015“. Joel will noch einen Regenbogen basteln. Jedes Kind pflückte eine Ringelblume, die entweder in die Vase oder auf den Stein kam. „Den Stein brauchen wir, damit der Fuchs nicht die Katze ausgräbt“, hatte Jade erklärt. Mit den Blumen war die Beerdigung für heute äußerlich soweit erledigt, um alles weitere (Innere)  kümmern wir uns in den nächsten Tagen.

Susanne übernahm am Dienstag im Morgenkreis die Einführung in das neue Lied  „Horch mal her“. Rebecca übernahm die Monatskette und Helmut las einen ersten Teil aus dem Bilderbuch  „Die besten Beerdigungen der Welt“. Mit großen Augen und aufmerksamer Konzentration lauschten alle, wie Ester, der Erzähler und die kleine Schwester Putte zuerst eine tote Hummel fanden und sie beerdigten und dann eine Spitzmaus. Interessante Ideen bringen die Drei

in unsere Erfahrungen mit der toten Katze. Bei Vroni gab es leider keine Milch; bei den Hasen ein fröhliches Schmatzen und bei den Hühnern 6 Eier. Nach dem Vespern entschieden die Kinder, woran sie mitarbeiten wollten: Jade und Joel kochten Pudding. Justus, Theresa, Anna und Nathanael begannen mit dem Rundwebrahmen, ihre Sitzkissen aus Frotteehandtuchstreifen zu weben und Susanne scharte 3 Kinder um sich, um Springerle herzustellen. So waren alle eine lange Zeit intensiv beschäftigt und wir Erwach- senen ebenso  -  was unsere Bauernhofpädagogik ja ausmacht: wir arbeiten zusammen, genauso wie wir zusammen singen, spielen, lachen, feiern und traurig sind. Das Grab der Katze war übrigens mehrfach Anlaufstation: Mal alleine oder mit Helmut, immer wieder schaute jemand nach und berichtete, dass alles in Ordnung sei. Bei einem Besuch beschloss eins der Kinder, dass wir doch beten könnten  „für die Katze und zu 



dem Gott“  und dann kam es wie selbstverständlich aus ganzem Herzen und alleine: „Vater unser im Himmel, geheiligt werde Dein Name, Dein Reich komme, Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heut und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen, denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.“ Danach gingen wir wieder. Bei einem anderen Grab-Gespräch berieten wir, wie es wohl mit der Katze in der Erde weiter geht, dass das Fleisch verwest und einmal nur noch die Knochen da sein werden. Von ihrem verstorbenen Opa erzählte ein Mädchen auch heute immer wieder.  Die letzten Minuten spielten und sägten und schnitzten alle draußen, bis Robert die Vorschüler zum Wetterblatt machen einlud.

Tina übernahm am Mittwoch das Kommando, 

denn nach dem Melken hielt eine Autofahrerin (Frau Irion  -  vielen Dank!) und vermeldete, dass auf der Straße eine Kuh unterwegs sei. Natürlich füllten wir etwas vom Getreideschrot in einen Eimer, schalteten den Strom vom Weidezaun aus und suchten nach der  „Kuh“. Monika und Salome Gutekunst kamen auch gleich dazu. Tina, das Kälbchen stand tatsächlich am Straßenrand und ließ sich das Gras schmecken. Mit dem Eimer ließ sie sich jedoch anlocken und am Strick wieder auf die Weide führen. Wir suchten noch nach dem „Loch“  im Zaun und Salome reparierte es. Nach dem Vespern widmeten wir uns eifrig den Rundwebrahmen und kamen ein ganzes Stück weiter. Draußen sägten und schnitzen die Kinder mit und ohne Ziehbank, bis Roland Maier, der zur Vertretung gekommen war, seine Luftballontiere zum Besten und zur Freude aller Kinder gab. Susanne hat die Springerle gebacken, wobei nur wenige wirklich  „gesprungen“ sind. 



Zeichen aus der gebärdenunterstützten Kommunikation übernahmen wir am Donnerstag von Susanne, um unser Morgenlied lebendiger zu gestalten. Von den „schönsten Beerdigungen der Welt“ lasen wir das ganze Bilderbuch -  vermutlich nicht zum letzten Mal, denn Reaktionen gab es heute fast keine. Beim Melken halfen Rebecca, Ferdinand und Joel; gemeinsam kamen wir auf dreieinhalb Liter. Die anderen Kinder finden während dieser Zeit immer allerlei Betätigungen, wie z.B. den Kontakt mit Vronis Kälbchen Wurzel, der während des Melkens im Stall  „warten“  muss und dort recht zutraulich ist. Hasen füttern und Eier suchen ging wie immer. Anna und Rebecca filterten zum ersten Mal die Milch „alleine“. Die Zeit nach dem Ves-pern gehörte nochmals den Rundwebrahmen; bis auf 2 Sitzkissen sind alle fertig geworden. Mit sägen, schnitzen und Essen aus Gras, Nadeln und Kräutern zubereiten verbrachten die Kinder die restliche Zeit draußen bis zum Abholen.

Frau Armbruster übernahm am Freitag im Seniorenzentrum das Festhalten des Sperrholzes, aus dem Justus seinen dritten Stern mit der Laubsäge aussägte. Zum ersten Mal waren wir mit allen elf Kindern bei den Senioren der Tagespflege zu Besuch. Nachdem unsere Kinder bei den ersten Tagesgästen gevespert hatten, gab’s eine Regenrunde im Freien. Dann hielten wir Einzug in die Werkstatt. Bis die Senioren eintrafen, konnten die Kinder das Kegeln üben und fanden ihre Freude daran. Im Morgenkreis klang unser Morgenlied so kräftig, fast wie von einem Chor gesungen. Das war wohl schon ausschlaggebend für die folgende Zeit, in der wir ein so intensives und gutes Miteinander erlebten, wie noch nie. Astrid Haas und Alice Müller hatten vorgeschlagen, aus Ton, Goldpapier und Sperrholz adventliche Motive herzustellen. Bald wurde überall an den Werkbänken fleißig gearbeitet: viele junge und alte KünstlerInnen haben Ton ausgewellt, 




ausgestochen, verziert und mit einem Loch zum Aufhängen versehen; einige haben mit Prickelnadeln goldene Herzchen geschmückt und die Freunde der Laubsägekunst versuchten sich mit dem Aussägen von Sperrholzsternen. Und wie schon öfter erlebt, ergaben sich wieder nebenher erstaunliche partnerschaftliche Koproduktionen, z.B. als Frau Armbuster im Rollstuhl mit ihrer einen Hand, die sie noch bewegen kann, den Jungs beim Laubsägen das Sperrholzstück festhielt und mit bewegte, wenn es gedreht werden musste. Nach über eineinhalb Stunden gemeinsamen Arbeitens war 

es Zeit zum Aufräumen. Zufrieden und mit vielen schönen Kunstwerken, die die Weihnachtsgeschenke der BewohnerInnen des Seniorenzentrums verzieren werden, machten wir uns auf den Weg zum Mittagessen. Die Kinder legten nochmals eine Draußen-Regen-Runde ein und genossen dann wie immer feierlich festlich serviert das Drei-Gänge-Menü im Schlosssaal. Dankbar beendeten wir wieder einmal einen gelungenen Morgen für Alt und Jung. Herzlichen Dank an Herrn Esslinger, Frau Haas, Alice Müller und alle Mitarbeitenden, die sich so offen und gerne auf uns einlassen!



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Kommentare: 1
  • #1

    Alice Müller (Donnerstag, 26 November 2015 13:48)

    Hallo Lieben,
    Habe eben den Wochenrückblick angeschaut.Der ist ja klasse:-)).
    Schade ,dass es bei meinen zwei Buben so ein Angebot (Bauenhofkindergarten)noch nicht gab. Finde es wichtig das die Kinder früh genug lernen dass,das Gemüse nicht in der Dose wächst,und das alt und jung voneinader lernen.

    wünsche euch weiterhin viel Spaß

    Lg
    A.Müller