„... und wenn der Fuchs kommt, dann piksen die  ...

... Äste in seine Nase und er rennt ...


... weg“, erklärte Jule am Montag, als sie ihr frisch gebautes Osternest mit einem Hexenbesen verschloss. Wir hatten am Ende des Morgenkreises beschlossen, dass wir nach dem Versorgen der Tiere im Wald nach schönen Plätzen suchen, wo jedes Kind sein eigenes Osternest gestalten kann. Dass wir Ostern,

also die Auferstehung Jesu erst am Dienstag nach Ostern und nicht vorweg am Gründonnerstag feiern, haben alle verstanden: Denn in dieser Woche erleben wir die Geschichten zur letzten Passionswegstele: Jesus wird von den Soldaten verspottet und geschlagen; sie legen ihm einen Purpurmantel um und quälen ihn mit einer Dornenkrone. Er muss den Querbalken des Kreuzes selbst zum Berg Golgatha tragen, bricht unterwegs zusammen und der Bauer Simon wird gezwungen, das Holz zu tragen. Gespannt lauschten alle und

betrachteten die Flanellbilder an der Wand. Später im Wald fanden wir eine geeignete Fläche und jedes Kind nach intensiver Suche einen Platz für den Bau seines Nestes.  Aber wie baut man ein Nest?  In Anlehnung an die Tierwelt kamen die Ideen: aus Ästchen, Zweigen, Moos und Blättern.  Auf dem Boden, oben im Baum, in einem Versteck oder vergraben in der Erde  -  bald hatten alle ihren persönlichen Ort gefunden.  Es wurde gegraben und gekratzt; Rinde, Moos, Gras, Laub und Reisig zusammengetragen, Stöcke als Umrandung gesteckt und verschiedene Abdeckvarianten ausprobiert. Kurz vor zwölf Uhr hatte jedes Kind sein Osternest soweit fertig.   „Ob ich das dann wiederfinde“, war eine der spannenden Fragen.   Mit etwas Verspätung kamen wir zurück und feierten den Abschlusskreis draußen vor der Villa.




„... und kann ich dann heute Mittag von dem Käse mit nachhause nehmen?“ fragte Marian, als wir gegen halb elf Uhr die 10 Liter des Bruch-Molkegemisches ins Käsetuch gossen. Mindestens 4 bis 6 Wochen muss der Schnittkäse jedoch reifen, bis er genussfähig ist. Drei Kinder halfen nach Morgenkreis und Tiere versorgen beim Käsemachen mit. Die andern schauten nach den Osternestern, hatten morgens schon Enten- und Hühnerfedern gesammelt, um ihre „Wald-Art-Objekte“ zu schmücken und zu verschönern. Bei den Osternestern angekommen, ließen sie noch weitere Natur- und Phantasie-Kunstwerke entstehen.

Auf dem Rückweg lockte der hole Baumstumpf wieder zum Verschwinden ein und so manches Wettrennen boten sich die Großen. Nach 11 Uhr habe ich den Kindern gezeigt, wie man beim Präparieren eines Eichhörnchens, das vom Auto getötet an der Straße lag, vorgeht. Leider musste der Versuch bald beendet werden, da der Schädel völlig zertrümmert war. So blieb noch Zeit zum Malen und Spielen auf den Erdhügeln des Wasserleitungsgrabens. Im Abschlusskreis hörten wir, wie Lasse den wilden Stier Albert Emmerich am Ostersonntag in Bullerbü tatsächlich beruhigen und am Nasenring wieder zurück in den Stall führen konnte.



„... und wieviel Milch muss ich eigentlich melken, dass wir wieder einen Käse machen können?“ fragte Marian am Mittwochmorgen, als er sich zum ersten Mal dafür entschied, mit zum Melken zu gehen; 9 Liter brauchen wir für einen Schnittkäse von ca. 900 Gramm. Nach dem Morgenkreis, dem gemeinsamen Vespern und dem Tiere versorgen machten wir uns wieder auf in den Wald. Und weil unser fünfzehntes Kind samt Papa und Mama zum ersten Mal bei uns waren, wählten wir einen gut begehbaren Waldweg und ein Stück Mountainbike-Strecke für unsere fast zweistündige Wanderung Berg auf und Wald ab.

Die weiße Pestwurz, den Huflattich und die ersten Schlüsselblumen entdeckten wir unterwegs. Auf einigen Wiesen roch es kräftig nach Kuhgülle und die Großen hätten gerne zugeschaut, wie der Nachbar die Gülle ausführt, aber er fuhr während unserer Wanderung nicht. Dafür zog später ein Waldtraktor mit unendlich langem Stahlseil und Fernsteuerung gleich mehrere Baumstämme aus dem Wald über die Wiesen bis zur Straße  -  das war auch spannend. Im Abschlusskreis gab es nach der Erzählrunde mit dem Albatros eine weitere Geschichte von Astrid Lindgren vom Lahmen Peter und seiner ersten Katze.



„... und der Osterhase kommt wirklich und bringt die Ostereier.“ - „Nein, den gibt’s gar nicht“, darüber diskutierten die Großen am Donnerstag im Wald, während des Waldarbeitereinsatzes, bei dem Joel und Silas die großen Vorarbeiter stellten! Heute entasteten wir die letzten verwertbaren Weißtannenäste und die Jungs fuhren mit dem Bollerwagen viermal selbstständig zum Abladen an den Trockenplatz. Während dessen stachen die „Jüngsten“ und unserer Feriengäste mit Lotte und Susanne Osterhäschen aus dem Teig und bereiteten einen Hefeteig für das Fladenbrot vor. Robert gestaltete mit den „Mittleren“ das nächste Kalenderblatt mittels Paustechnik. Den Abschlusskreis feierten wir wieder draußen und hörten Astrid Lindgrens nächste Geschichte von der patenten Polly.

Den Abschluss der biblischen Passionsgeschichte bildete das Flanellbild mit dem Grab Jesu,

denn am Karfreitag um die Mittagszeit

 musste Jesus am Kreuz sterben (siehe Johannes 20, Lukas 24, Markus 16, Matthäus 28). Da verdunkelte sich der Himmel, die Erde bebte und im Tempel zerriss der Vorhang;  der Hauptmann und die Soldaten, die die Kreuzigung bewachten, erkannten plötzlich: „Dieser ist wirklich Gottes Sohn gewesen!“  Den Leichnam umwickelten die Jünger mit Tüchern und legten ihn in ein Grab, das sie mit einem schweren Felsenstück verschlossen. Mit diesem Bild schlossen wir unsere Passionszeit ab. Ganz bewusst gab es natürlich jetzt kein Osterfest und kein Ostergeschenk!  Aber dafür dann am Dienstag nach Ostern.   Dann feiern wir den auferstandenen Herrn, der den Tod ein für alle Mal besiegt hat und ein neues Leben schenken will.  Am Nachmittag um 15 Uhr versammelte sich eine kleine Schar Eltern und Kinder, um gemeinsam alle sieben Stationen des Passionsweges zu betrachten und über die Geschichten nochmals nachzudenken.



Kommentar schreiben

Kommentare: 0