Dem Tod ins Auge geschaut haben ...

... wir am Montag gleich zwei Mal: Morgens auf der Fahrt ...


zu Familie Sonnberger lag ein toter Dachs am Straßenrand; wir hielten an, steigen aus, alle Kinder betrachteten das schöne Tier und diskutierten, warum der Arme wohl  „unters Auto kam“.  Mittags, als wir vom Zwetschgenernten wieder zurück kamen und Heidrun mit vier Kindern zu den Hasen ging, da war die Lisi tot  „und sie hat die Augen noch offen“. Woran sie wohl gestorben ist? Zu sehen war jedenfalls äußerlich nichts. Morgen, wenn alle Kinder da sind, wird sie beerdigt. Justus hat schon mal ein Kreuz zusammengenagelt. Den ganzen Vormittag über pflückten wir also Zwetschgen, mit Hilfe von Leitern, Stühlen 

und der Kinder-Rutschbahn. Bis nach elf Uhr dauerte das Entsteinen und manch Eines  wäre nach einiger Zeit der mühsamen und klebrigen Popelei lieber  „entlaufen“, aber ausgemacht war: alle helfen mit bis alle Zwetschgen entsteint sind und dann bekommt jedes Kind von Reinhard eine Brezel geschenkt.  Gesagt getan und am Ende hatten wir fast 20 Kilogramm entsteinte Früchte für Kuchen und Marmelade. Da schmeckte die Brezel besonders  gut und es bleiben noch ein paar Minuten zum Spielen im Garten. Wir danken Reinhard für die Zwetschgen samt Brezeln und Familie Gutekunst für das Ausleihen ihres VW-Busses.




Tief in die Gläser geschaut haben wir am Dienstag gleich 60 Mal: Als Justus die Zwetschgen für zwei Kuchenbleche abgezählt hatte, verwandelten wir alle anderen in Marmelade und füllten damit 60 Gläser.  Davor feierten wir Geburtstags-Morgenkreis in der Villa, weil es draußen (endlich) regnete. Jade wurde 6 Jahre alt und hat mit Annas  Hilfe die 6 Geburtstagskerzen angezündet. Natürlich warteten die Kinder nach Heidruns Lerngeschichte für Jade(!) auf Robi, die Handpuppe. Der wollte, wie immer erst mal nicht aus seinem Korb raus und dann sofort vom Geburtstagskuchen probieren. Aber ohne gratulieren ging natürlich nichts.  Nach Robi fütterten wir den übriggebliebenen Hasen und dann die Ponys, das Geflügel, die Schafe und die Kühe mit altem Brot, das so hart war, dass man es mit den Schuhen zertrampeln musste, weil nur die Kühe die ganzen Stücke fressen können.  

Nun suchten wir einen Platz fürs Grab von Lisi. Die beiden Jungs schaufelten ein tiefes Loch und Anna legte das Tier hinein. Viele halfen beim Zudecken und legten noch Steine oben drauf, damit der Fuchs nicht aufgraben kann. Zum Schluss setzte Justus sein Kreuz in die Erde. Danach ging‘s zum Vespern und Jade verschenkte leckere Schoko-Muffins  -  auch an Robi.   Beim Kuchen backen und Marmelade kochen halfen immer wieder Kinder mit:  Mit zwei Zwetschgenreihen ermittelte Justus, wie viel Früchte für ein Blech gebraucht werden;  mit unserer  „neuen“  gebrauchten mechanischen Küchenwaage wogen Anna und Jade die Zutaten für den Teig und die Streusel ab; und besonders beim  „Ausschlecken“  der Marmeladentöpfe fanden sich viele HelferInnen ein.  Wer gerade nicht küchentechnisch  involviert war, fand am Maltisch und draußen bei den Tieren genug zu tun. 



Freudestrahlend aufgeschaut haben wir alle am Mittwoch nach 12 Uhr, als die letzten halbierten Hagebutten endlich auch entkernt waren. Stundenlang saßen wir in der wärmenden Sonne mit Blick aufs anfangs noch nebelbedeckte Kinzigtal und kratzten mit Fingernagel, Kaffeelöffelstiel oder Küchenmesser die winzigen harten Kernchen aus der Fruchtschale. Dass die feinen Härchen dazwischen wie verrückt jucken können, war trotz Vorwarnung schnell spürbar; eine echte Herausforderung und Geduldsprobe zu-gleich; aber weglaufen oder aufgeben gab es nicht; indes lustige Überlegungen, wie man die juckenden Härchen wieder los werden könnte, in dem man sich  

z.B. in den Brunnen legt, weil wir ja keine Dusche haben. Als die Edelstahlschüssel mit den ganzen Hagebutten dann tatsächlich leer war, stand es fest: wir haben  2,2 kg entkernte Früchte und einen Berg voller Kernchen. Nebenbei gab es natürlich das Liedchen vom Männlein, das ganz still stumm im Walde steht und ein paar Tränchen schon auch; aber am Ende stand der entkernte Hagebuttenberg in der durchsichtigen Schüssel auf dem Tisch und der Stolz und die Erleichterung aller in den Augen und den Herzen:  wir haben es geschafft  -  gemeinsam!  Und weil wir heute nicht zum Reiten kamen, werden wir morgen als erstes damit beginnen.



Der Mona tief in die Augen geschaut hat David am Donnerstag, als wir  „endlich!“  wie versprochen die Ponys zum Reiten sattelten. Natürlich wurden Maiky und Mona zuerst gestriegelt, Mona bekam den Longiergurt und Maiky seinen Sattel. David nahm auf Mona Platz, Theresa  auf Maiky. Fröhlich ging’s bergauf zum neu angelegten Waldweg. Dort wechselten die ReiterInnen  und David beschloss nach seinem erfolgreichen ersten Ritt, nun  „seine“  Mona zu führen, auf der Rebecca Platz genommen hatte (klappte prima!). So wechselten die ReiterInnen mehrmals. Und bald konnten wir noch einen  kleinen pädagogischen Erfolg verzeichnen:  Mila erklärte unterwegs, dass sie jetzt reiten wolle!  Womit sich wieder einmal bestätigte: Jedes Kind kann irgendwann einmal ganz alleine und frei entscheiden, wann es soweit ist, etwas Neues zu wagen; ohne Druck!  Und dann klappte es auch:

Mila wollte gleich zwei Mal reiten. Gegen 11.15 Uhr hatten wir den beiden Ponys die Hufe ausgekratzt und die Reitersachen aufgeräumt. Es war inzwischen sehr heiß, sodass sich die meisten Kinder in der Villa aufhielten. Heidrun lud zum vierten Zwetschgenkuchenbacken ein, einige Kinder malten und entdeckten, dass man unsere  „neuen“ Stiftverlängerungen aus alten Kabelhüllen auf die Finger stecken kann (siehe Fotos).  Übrigens vermalen wir mit dieser Verlängerungsidee von Thomas Herzog unsere Holzfarbstifte bis auf knapp 2 cm Länge! Musik gab’s im Nebenzimmer,  Jule erklärte David, was es alles in der Scheune zu beachten gibt und Rebecca bastelte sich ein Buch (DIN A 5) mit 28 Seiten, auf denen sie alle Seitenzahlen notierte  -  freiwillig, weil es so weit war, etwas Neues auszuprobieren; es hat prima geklappt. 



Immer wieder schaute Herr K. in die strahlenden Kinderaugen, als der Obstsalat fertig war und Groß und Klein, besser gesagt Alt und Jung sich genüsslich die bunte Früchte- und Beerenmischung schmecken ließen.  Ob die Mitarbeiterin wohl ein Foto von den Kindern machen dürfe, fragte er mich und als Susanne dann ihr Handy zückte erklärte er: „Nur die Kinder, nicht von mir!“  Und ob er ein Bild davon als Erinnerung bekommen könnte, das war ihm so wichtig. Das Thema Erntedank hat uns inspiriert für den Besuch im Seniorenzentrum. Nach dem Morgenkreislied, das inzwischen von vielen SeniorInnen begeistert mitgesungen und mitgeklatscht wird, malten alle fleißig auf einem 

Blatt Papier gezeichnete Früchte, Getreide- und Gemüsesorten und Nüsse mit Buntstiften an. Danach rätselten drei Gruppen in einem Wimmelbild, was dort auf dem Bauernhof alles zur Erntezeit geschieht. Schließlich kam‘s zur dritten Überraschung: Ursel und Susanne hatten Obst, Trauben, Bananen, Mandeln usw. eingekauft und Licy brachte über ein Kilogramm von ihren frisch geernteten Himbeeren mit. Alle schnibbelten mit, bis 2 Schüsseln voller Obstsalat fertig waren. Und der hat allen sehr geschmeckt. Glücklich und zufrieden verabschiedeten wir uns kurz vor 12 Uhr von glücklichen und zufriedenen SeniorInnen und Mitarbeiterinnen.



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