Vandalismus beim Bauernhofkindergarten!

Das hätten wir nicht gedacht!


Als ich am Montag um 7.25 Uhr um die vorletzte Kurve vor dem Bauernhof der Familie Gutekunst bog, lag das Plexiglasbild von Isabella in zwei Teile zerbrochen am Straßenrand. Als Alexandra Hahn ihre Jade von Schiltach her zu uns fuhr, lag das Plexiglasbild von Mathilda halb vom Strommasten abgerissen und angebrochen im Graben. Die Wut kam dann so richtig hoch, als wir nach dem Vespern zuerst die beiden Bildteile von Isabella einsammelten und feststellten, dass es kein Auto gewesen sein konnte. Und bei Mathildas Bild war’s noch eindeutiger menschliche, mutwillige Gewalt, denn das Plexiglas hatten wir an der straßenabgewandten Seite eines Holzstrommastens mittels einer Dachlatte und zweier Spax-Schrauben (6 x 120 mm) befestigt und die obere Schraube war  "abgebrochen“ … Unter wütenden Tränen half Mathilda, ihr zerstörtes Bild vollends abzubauen. „Den muss man ins Gefängnis stecken!“, beschloss sie. Die Kinder trugen die Scherben zur Villa, um sie trocknen zu lassen und morgen zu reparieren. Mit immerhin sieben Kindern und unseren beiden Gastkindern Mia und Mika samt Mama starteten wir in die zweite Passionswoche. Nach der vergangenen Ferienwoche brauchten alle eine kleine Wiedereingewöhnungsphase, sodass wir es recht gemütlich angingen ließen.

Beim Melken stellten wir fest, dass der Wurzel nicht mehr da ist:„Dann ist er bestimmt geschlachtet worden“, beschlossen Jade und Rebecca und Rebecca berichtete im gleichen Atemzug: „Und eine Kuh bei uns kriegt bald ein Kälbchen und Aika hat Hundebabys im Bauch.“  So ist das mit dem Leben und Sterben auf dem Bauernhof! Unsere fünf Kaninchen bekamen ihren Käfig frisch gemacht: Altes Einstreu raus, Wanne auswaschen, mit Zeitungspapier auslegen, Sägemehl drüber, frisches Stroh und die fünf Jungs hatten ihre Freude. Im geheimen Spinnenzimmer-Versteck versammelten sich die Älteren und berieten ihre neusten Aktionen, um dem Dieb auf die Spur zu kommen  -  „Der hat bestimmt die Bilder kaputt gemacht“.  Mit Pinsel und Farbstiftpulver suchten sie nach Fingerabdrücken. Den Abschlusskreis beginnen wir ab dieser Woche schon vor 12 Uhr, damit die Vorschüler Zeit für die Holzeier-Spielrunde haben: Jedes Kind hat 2 Zehner-Eierschachteln, eine mit 10 Holzeiern und eine leere. Gemeinsam lösten sie heute Aufgaben wie: „Nimm aus Schachtel 1 drei Eier weg und lege sie in Schachtel zwei; wie viele Eier sind jetzt noch in Schachtel 1? Und wie viele leere Becher sind in Schachtel 2? Usw.! Da gibt es noch viel zu entdecken  -  die Großen sind Feuer und Flamme.




Am Dienstag „rechneten“ die Großen gleich mal mit versteckten Holzeiern: „Jetzt nehmt ihr fünf Eier aus Schachtel 1, legt sie in Schachtel 2 und klappt die Schachtel 1 zu; wie viele Eier sind nun in der Einserschachtel versteckt?“ Sie wollten gar nicht aufhören mit „rechnen“, so spannend fanden sie dieses Spiel kurz nach 12 Uhr. Davor hörten und betrachteten wir zwei biblischen Geschichten zum Beginn der Passionszeit ( 7 Wochen von Aschermittwoch bis Ostern): vom sinkenden Petrus und wie Jesus über 5000 Menschen satt gemacht hat, obwohl es nur fünf Brote und zwei Fische gab. Davor kümmerten wir uns um den Start in die Memory-Saison; bei dem Wetter genau die richtige Herausforderung: Heidrun überlegte und malte mit einigen Kindern die ersten Motive,

während vier Kinder die Kanten der Holzplättchen glatt schliffen. Davor bekamen die Kaninchen ihre Zuwendung in Form von Streichel- und Kuscheleinheiten. Und davor vesperten wir in der Villa, weil es draußen  „Schneematsch  regnete“, wie übrigens fast den ganzen Vormittag. Sieben Kinder mit Mia, Mika und die Mama Marion kümmerten sich mit Heidrun um die Hühner, Enten und Ponys und machten das Feuer für die Heizung an. Zum Füttern und Melken gingen David und Anna mit mir. Gestartet haben wir natürlich mit dem Morgenkreis um 8.30 Uhr, in dem Mia das erste Mal eines der Regelbilder selber halten wollte und Heidrun ihre Lerngeschichte für David vorlas, wie geschickt er gestern das Feuer im Holzofen trotz  „Gegenwind“  entfacht hat.



Am Mittwoch verglichen die Großen die Anzahl der Holzeier mit der Anzahl ihrer Finger: „Wenn ihr von 10 Eiern drei wegnehmt, wie viele Eier bleiben in der Einserschachtel? Wie viele leere Becher bleiben in der Zweierschachtel? Und jetzt macht das mal mit euren Fingern: Zählt von 10 Fingern drei weg, dann bleiben …“ Ins Wetterblatt schrieben die Vorschüler morgens 2 und mittags 5 Grad bei Wolken, Nebel und etwas Sonnenschein. Die biblische Geschichte erzähl- te, wie Maria, als Jesus sie und ihre Schwester Marta besuchte, ein kleines Fläschchen mit kostbarem Nardenöl nahm, und damit Jesu Füße „salbte“; einer der Jünger, Judas, hielt das für eine Verschwendung, man hätte das Öl teuer verkaufen und das Geld den Armen schenken können: Jesus erwiderte: „Lass sie in Ruhe! Sie hat es für den Tag meines Begräbnisses getan.“  Noch verstand niemand, was Jesus damit sagen wollte  -  ganz ähnlich geht es den Kindern

momentan auch. Die Zeit bis zum Abschlusskreis war gefüllt mit Teig herstellen für Heidruns Schneckennudeln, das Detektiv-Team hatte allerlei zu entdecken und zu verstecken, im Gutenkunst‘schen Sandkasten entstand der Burgwassergraben neu, im Wald suchten wir nach einem dicken Ersatz-Zaunpfosten für das reparierte Plexiglasbild von Isabella und Justus fand einen Knochen, der genauer untersucht werden musste. Was davor noch geschah: Morgenkreis natürlich, heute mit Theresa, die zum ersten Mal sehr geschickt mit beiden Händen die Regelblätter austeilte und wieder einsammelte; Tiere füttern und Eier einsammeln. Beim Melken dachten wir erst, da wäre kaum Milch in Froni‘s Euter, bis dann plötzlich doch richtig viel kam: „Die Froni wollte uns halt nur veräppeln“, beschloss Rebecca, „damit der Freddy nachher alle Milch bekommt.“



Die Gisela und ihr Martin wollten am Donnerstag nur kurz vorbeischauen, daraus wurden dann glatt mal 3 Stunden. Gisela arbeitet in einem Waldkindergarten bei Wetzlar und wir kennen uns von unserer Mitarbeit im Vorstand des Bundesverbandes der Natur- und Waldkindergärten. Nun haben sie und ihr Mann die Oma in Villingen-Schwenningen besucht und da musste ein Abstecher zum Bauernhofkindergarten einfach drin sein. Die Kinder haben gleich gespürt, was da für eine Frau zu Besuch kommt: Die macht einfach mit! Lässt sich die Villa zeigen, spielt mit Jade, Rebecca und zwei Kaninchen die Phantasiereise ins Weltall, will wissen, was in den Ordnern der Kinder alles für Geschichten und Bilder drinstehen, lässt sich die Regeln erklären und hat noch viel mehr Fragen auf Lager. Klar waren die Beiden genau so beeindruckt wie alle anderen Gäste, wobei sie natürlich den Vergleich hatten zur Hütte im eigenen Waldkindergarten … Und trotz Dauerregen und Nebel ahnten sie auch draußen, wie schön wir es haben, wenn’s nicht regnet. Im Morgenkreis dichteten wir angesichts von 36 stündigem Regen:

„Guten Morgen lieber Regen, hast die Erde nass gemacht, ja die Erde wird noch nässer, hast du dir das ausgedacht?“ Martin und Gisela sind dann mit zum Melken gegangen, während Heidrun mit den Kindern zu den Ponys und zum Federvieh ging, inclusive Feuer anzünden. Dass David es mit dem letzten Streichholz schaffte, hat auch Gisela sehr beeindruckt. Zurück in der Villa wurden die ersten Memory-Bildkärtchen ausgemalt, ein paar Kaninchen  „betütelt“ und Bilderbücher gelesen. Im Abschlusskreis zog Jesus auf einem Esel reitend nach Jerusalem ein, um mit seinen Jüngern das Passafest zu feiern.  Alle Leute empfingen ihn als ihren neuen König, legten Kleider auf die Straße, pflückten Palmzweige zum Jubeln und riefen Hosianna, Hosianna  (unser König kommt). Wir stimmten ein in das Lied: „Jesus zieht in Jerusalem ein, Hosianna!“  Nach der biblischen Geschichte füllten die Vorschüler ihre Wetterblätter aus und machten sich dann voll konzentriert und interessiert über ihre Eierschachteln her, während die Jüngeren nebenan Verstecken spielten.

 



Jede Menge Wasser führte die Schiltach und alle Zuflüsse am Freitag, als wir nach dem Vespern im Seniorenzentrum unseren Morgenspaziergang entlang des Flüsschens machten. Die Sonne schickte verheißungsvoll ihre ersten Strahlen durch den Nebel, von überall sangen Vögel und alle ahnten, das wird ein herrlicher Frühlingstag. Die Kinder begannen, Gras zu zupfen und Moos zu sammeln, weil es so schön riecht. Mit den Tagesgästen feierten wir Morgenkreis und sangen das Morgenlied so kräftig und beschwingt wie ein kleiner Chor. Für das Bearbeiten der Memorykärtchen mussten die gemalten Bildkärtchen ausgeschnitten werden, eine feinmotorische Herausforderung, die zum Erstaunen aller sogar die älteste Besucherin mit 98 Jahren noch perfekt beherrschte. Fotos zurecht schneiden und die ersten Motive auf die Holzplättchen kleben folgten. Und weil man das nicht „ewig“ machen kann,

Und weil man das nicht „ewig“ machen kann, haben Susanne und Ursel den Schlossbergsaal für eine Spielerunde hergerichtet. Danke an Herrn Esslinger für die Bereitstellung desselben! Als die ersten Schaumstoffbälle flogen, fühlten sich gleich alle wohl: Erst warfen einige Kinder von der Kreismitte aus die Bälle zu den Sitzenden, dann wurden‘s immer mehr. Ursel brachte einen Holzreif ins Spiel, zum Durchwerfen der Bälle und immer höher stieg der Reifen und die Freude über manche Treffer und lustige Quertreiber. Als Löwen kletterten und hüpften die Kinder dann geschickt durch fünf Reifen, später noch über und unter den Stühlen, bis die meisten beschlossen: Es ist so warm, wir müssen unsere Schuhe und Strümpfe ausziehen  -  klar, welcher Löwe hat schon sowas an. Wir danken allen Mitarbeiterinnen für das fröhliche Miteinander und freuen uns auf nächsten Freitag in der Oase.


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