„Ich möchte auf jeden Fall zum Melken“, mit diesem Spitzensatz

... eröffnete Theresa Herzog am Montag, zum Ende des Morgenkreises die Planung für den Tag.


Da geht mir das Herz auf, denn solche Aussagen bestätigen mein pädagogisches Anliegen: Kinder brauchen Vorbilder - zum Nachahmen - das genügt! Zusammen mit David haben die Beiden dann auch ein paar Milliliter Milch gemolken - das genügt für den Anfang. Julia Finkbeiner war zu Besuch, um ihr Interview für ihre Ausarbeitung zum Thema Bauernhofkindergarten und Tiere zu führen und ließ es sich natürlich nicht nehmen, gleich beim Melken mit dabei zu sein. Weil der Löwenzahn auf den Weiden beim Schwenkenhof jetzt wohl blühen müsste, marschierten wir guter Dinge dort hin. Aber die goldenen Blüten waren kurz nach zehn Uhr noch alle geschlossen. Als kleiner Experte weiß ich, dass die Blüten am besten gegen 12 Uhr zu ernten sind.

Das klappt aber zeitlich nicht. Also vesperten wir zuerst und dann standen fast alle Löwenzähne in voller Blüte. Möglichst vom Wiesenrand aus pflücken lautete nun die Aufgabe. Gemütlich auf den Fichtenstämmen von Karlheinz sitzend, hieß es jetzt: Zupfen, zupfen, zupfen  -  möglichst ohne das Grüne der Kelchblätter. Immer wieder spannend, wenn Karlheinz mit einem riesenlangen Tannenstamm im Schlepptau an uns vorbei fuhr. Allmählich brannte die Sonne immer heißer und wir beschlossen, auch angesichts der gezupften Menge, zur Villa zurückzukehren. Dort im Schatten des Apfelbaumes zupften wir noch die restlichen Blüten. Zum Schluss pflückten einige Kinder den Kaninchen noch frischen Löwenzahn und Wiesenbärenklau.

 




„Au ja, heute gehen wir zwei melken“ erklärten Rebecca und Jade strahlend, als wir unseren Plan für den Dienstag beschlossen. Da kam dann auch einiges an weißem Gold zusammen, während wir nebenher diskutierten, wie die Kuh das wohl macht, dass aus Heu und Wasser Milch wird und bei den Mama’s, dass aus Essen und Trinken Milch wird. Beim Füttern der Hühner gelang Heidrun eine schöne Begegnung: Unser „neustes“ Kind, Delaja und Mathilda trauten sich, den Hühnern Weizenkörner aus ihren eigenen Händen anzubieten - und das Federvieh spielte sogar mit! Und weil wir mit unserem „Eingewöhnungsmodell“ sehr flexibel umgehen, lud Heidrun heute Delaja zu einem Extra-Gang zu den Ponys ein, um sie mit trockenem Brot zu verwöhnen und später wiederholte sie dasselbe Spiel (auf Wunsch von Delaja!) bei den Schafen. Bei uns gehören zur Bezugserzieherin eben auch die  "Bezugstiere"

Noch mehr schöne Begegnungen gab es im Schafstall: In der vergangenen Nacht kamen drei Lämmer zur Welt, ein Zwillingspärchen und ein einzelnes. Die mussten natürlich besucht und in die Arme genommen werden. Nach dem Vespern legten die Kinder gemeinsam die beiden Schafzaunnetze zusammen, man könnte es auch prozessorientierte Teamarbeit mit Ziel nennen; jedenfalls schafften es zehn Kinder 50 Meter Netz samt 14 Pfählen zusammen zu legen. Die Vorschüler machten sich dann mit Schaufeln und Hacke daran, einen Graben zu graben. Weil der Boden sehr steinig ist, machte das richtig Mühe. Aber gemeinsam schafften wir bis 12 Uhr doch ein erstaunliches Stück. Heidrun kümmerte sich mit den Großen  um die Wetterblätter und ließ nach vielen Ferientagen die alte Liebe zum „Rechnen“ mit den Holzeiern wieder aufblühen.

 



„Wir sind sechs Vorschüler und immer zwei gehen zum Melken, gestern war ich und Jade, also sind heut Justus und Anna dran“, rechnete David am Ende des Morgenkreises am Mittwoch vor. „Guten Morgen, Pusteblume, brauchst du noch ein bisschen Schnee, heute schneit er immer weiter und er tut dir ganz schön weh“, fiel mir bei der zweiten Strophe unseres Morgenliedes ein. Ja, draußen lag eine geschlossene Schneedecke und es schneite munter weiter. „Poporutscher fahren?“ „Nee, doch jetzt nicht mehr!“ Also versorgten wir erst mal die Tiere, molken die Froni und Heidrun feuerte zusammen mit drei Kindern den großen Ofen an, bei 3 Grad Außentemperatur eine dankbare Erfindung. Nach dem Vespern fiel kein Schnee mehr und die Großen ließen sich für eine neue  „Baggerrunde“ begeistern. Der Rest der

Kinder blieb in der Villa: Sie halfen Heidrun beim Käsefüßchen backen, spielten Vater-Mutter-Kind und lauschten Heidrun beim Bilderbuch vorlesen. Draußen buddelten wir so lange, bis der Graben tatsächlich tief genug war, das dauerte eineinhalb Stunden und vor allem Justus schaufelte ununterbrochen Steine und Erde aus dem Graben nach oben. Stolz betrachteten wir gegen viertel vor zwölf unser gemeinsames Werk und beschlossen: „Morgen verlegen wir das Rohr“. Mit gut dreckigen Hosen und etwas müde putzten wir unsere Stiefel im Schnee und dann mit Wasser, legten die Buddelhosen draußen ab und verschwanden in der Villa. Jetzt hatten die Vorschüler auch noch Gelegenheit, mit den Austecherförmchen weitere Käsefüße zu produzieren.

 



„Können wir heute Poporutscher fahren?“ war die erste Frage am Ende des Morgenkreises am Donnerstag. „Na klar, es hat ja wieder geschneit“, gab ich gerne zur Antwort. Weil Heidrun Schule hat, kam Roland Maier zur Vertretung und waltete in alter Manier seines Amtes: Kindern beim Anziehen helfen, mit ihnen trockenes Brot für die Hühner kleinhämmern, das Federvieh füttern und natürlich Feuer im großen Ofen anmachen. Beim Vespern verriet er uns den Trick zum optimalen schälen von Ostereiern: einen Kaffeelöffel unter der Schale hin und her bewegt - perfekt löst sich die ganze Schale. In Outdoor-Schale warfen sich nun alle; zuerst zum Poporutschen und dann zum verle- gen des Rohres im Graben. Jule, Justus, Anna und Rebecca schnappten sich die Poporutscher und sausten tatsächlich durch das bisschen Schneematsch viele Male ganz schön flott. Später halfen alle, die zwei Rohstücke

zusammenzufügen und in den Graben zu legen. Von dort musste das Konstrukt aber mehrfach wieder herausgehieft und neu angepasst werden. Schließlich konnte die Erde verfüllt und  „festgehüpft“  werden. Abschließend haben mehrere Kinder die Schaufeln und alle ihre Gummistiefel mit Bürste und Wasser sauber geschrubbt. Da saß doch ein schwarzes Kaninchen oben auf dem Käfiggitter. Als die Kinder angerannt kamen, schlüpfte es schnell wieder durch die kleine Öffnung im Dach; der Mümmelmann ist aufs Dach des Klohäuschens gesprungen und konnte von dort durch die Dachluke klettern. Bei der Gelegenheit misteten wir gleich die beiden Hasenklo’s aus und ver- schoben den Käfig auf ein frisches Stück Wiese. Nach so viel Draußensein liebten es alle, in der Villa wieder mal Vater-Mutter-Kind zu spielen, während Roland sich rührend mit Delaja beschäftigte, bis die Mama zum Abholen kam.



„Der hat den Luftballon so unter dem Arm gerieben und dann an die Decke geworfen“, erklärte Anna am Freitag gegen 10.30 Uhr im Seniorenzentrum. Tatsächlich ließ Roland Maier, nach dem er erst für alle Senioren wunderhübsche Luftballontiere „gedreht“ hatte, mehrere „aufgeladene“ Luftballons an der Decke des Schlossbergsaales „kleben“. Nach unseren Morgenkreisliedern, dem Besprechen der unsichtbaren Regeln und dem Zählen der imaginären Monatskette folgte die von meinen Händen gelesene Lerngeschichte für Justus. Als Roland sein Köfferchen holte, um nach Stuttgart in die Wilhelma zu fahren, gab es große Augen. Ein Zootier nach dem andern zauberte der professionelle Kinder-Zauber-Clown geschickt und mit flinken Fingern und alle erkannten immer gleich, was für ein Tier er da erscheinen ließ, sogar das typisch schwäbische Tier, den grünen Dackel, also den Grasdackel. Als alle Senioren ein Tier von den Kindern überreicht bekommen hatten,

lud Susanne zur Feier des Tages zum Eis für alle ein! Eine tolle Überraschung für Jung und Alt!  Vielen Dank dafür! Jetzt packten wir das Schwungtuch aus. Zuerst ließen die Kinder fünf Schaumstoffbälle hoch und durch den Saal fliegen – da hatten die Senioren auch schon ihre Freude. Als die Kinder dann unters Tuch krochen und die Erwachsenen das Tuch auf und ab bewegten, gab es bei allen vor Lachen kein Halten mehr: Die Haare der Kinder standen wahrhaft „zu Berge“. Unterm Tuch durch- kriechen und sich im Tuch wiegen lassen bereitete allen Kindern und den Zuschauern viel Vergnügen. Die ersten Senioren machten sich dann auf den Weg zum Mittagessen und wir gönnten uns noch eine ausgiebige Runde mit dem Riesenmikado, bis auch wir kurz vor 12 Uhr aufbrachen, um nach Hause, bzw. zur Villa zu fahren. Wir danken allen Mitarbeitenden im Seniorenzentrum und der Leitung, Herrn Esslinger für alle Gastfreundschaft und Fürsorge. Wir kommen gerne wieder.

 

 



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