Vom ersten Bauernhofkindergarten Baden-Württembergs besuchte uns ...

... das komplette Team mit fünf Frauen, zwei Kindern, einem Mann, einer Oma und einer Hündin am ...


... Dienstag, den 2. Mai. Nach über eineinhalbstündiger Fahrt kamen sie gleich schon zum Morgenkreis angereist, vom Begegnungshof im Steinig und nahmen sich den ganzen Vormittag Zeit für unsere kleine Einrichtung: Ob beim Tiere füttern, beim Melken, beim Entdecken der Katzenbabys und der ersten Küken oder beim Umzug des Kaninchenkäfigs, überall wurde genau hingesehen, nachgefragt, mitgeholfen und ausprobiert. Wir spazierten zum Passionsweg und vesperten auf und am Holzstapel. Im Wald erklommen unsere Kinder mir nichts dir nichts den steilen Pfad hinauf zur Burg. Da staunten die Gäste, aber selbst Myrtha Schöpfle (organisatorische Leiterin) ließ es sich nicht nehmen, mit ihrem Jüngsten im Tragerucksack hinaufzuklettern. Oben an der Burg fanden alle Kinder viel zu tun: Hausbau für Weinberg-

schnecken, Mauerbau aus Steinen der Ruine oder ein zweites Vesper in der Höhle einneh- men.So blieb für uns Erwachsene viel Zeit für den gegenseitigen Erfahrungsaustausch, den die Kinder immer wieder mit ihren Erkennt- nissen bereicherten. Sie wollten gerne noch am Baumhaus der Familie Gutekunst vorbei, also ging‘s steil bergab bis zum viel geschätzten Waldgebäude. Da war die Zeit auch schon um und wir verabschiedeten unsere Gäste vor der Villa dankbar gegen 12.30 Uhr. Wir danken für die intensiven Gespräche und alles Geben und Nehmen! Sind es doch viele Bezüge, die uns über die Arbeit auf einem Bauernhof verbinden. Die Gäste verweilten zu Mittag in Schiltach und nahmen vor ihrer Heimfahrt gleich noch zwei Ziehbänke und zehn Kinderschaufeln für ihre Kinder mit. Wir sind uns sicher: Diese Freundschaft werden wir weiter pflegen!

 




Mit 13 Kindern sind wir inzwischen eine stattliche „Truppe“, das zeigte sich am Mittwoch auf unserm „Marsch“ Richtung Schiltach: Eine kleine Karawane zog um 10 Uhr Richtung Tal und um 11 Uhr voll bepackt mit Ginster wieder bergauf zur Villa. Wie müssen dereinst die Pferde der Römer geschuftet und geschwitzt haben, wenn sie die vollbepackten Wagen die „Staig“ hinauf bis zum Zollhaus ziehen mussten! Wir schafften es pünktlich auf 12 Uhr bis zur Villa. Die Ginsterbüschelberge haben die VorschülerInnen sogleich sorgsam zu kleinen Bündeln gepackt, mit Draht und Schnur umwickelt und zum Trocknen im Badezimmer aufgehängt. „Warum müssen wir das eigentlich alles machen“ fragte Rebecca zu recht. „Damit 25 ErzieherInnen aus ganz Deutschland am 20. und 21. Mai in Duderstadt bei der Fachtagung des Bundesverbandes der Natur- und Waldkindergärten lernen können, wie sie zusammen mit ihren Kindern z.B. Kinderbesen und Kinderrechen, Hacken und Schaufeln herstellen können. Und ich erzähle dann allen,

dass ihr den ganzen Ginster dafür gesammelt habt“,gab ich erklärend zur Antwort.  Das hat alle Großen überzeugt und bald hingen 25 Büschel Ginster an der schon mehrfach bewährten Schnur unter der Decke im Badezimmer. Dass Heidrun (Praktikantin im AJ) dazu für Jade eine Lerngeschichte schrieb, mag zeigen, wie gewichtig solche Erfahrungen des praktischen, lebensnahen und sinnvollen Tun‘s für die Kinder sind: Ich werde gebraucht, ich kann etwas, ich bin wichtig und wertvoll. Mein Lieblingssatz von Konfuzius (551 - 479 v. Chr.) passt auch hier: „Erkläre mir, und ich vergesse. Zeige mir, und ich erinnere. Lass es mich tun, und ich verstehe.“ Würde Roland Maier Lerngeschichten schreiben, hätte er heute wohl auch eine für Jade geschrieben, wie sie mit ihm zusammen versuchte, das Feuer im großen Ofen zum Brennen zu bringen … „Lass es mich tun“!  Das Feuer brannte schließlich. Und die Hühner bekamen ihr Futter, Froni gab uns ihre Milch, die Kaninchen freuten sich über frisches Grün und trockenes Einstreu in ihrem Klo.

 



Sehr pünktlich um 8.30 Uhr konnten wir am Donnerstag mit dem Morgenkreis und allen 13 Kindern starten. Schmunzelnd erkannte sich Jade gleich bei den ersten Sätzen von Heidrun's Lerngeschichte, wie sie mit großer Selbstverständlichkeit und Umsicht half, die Ginsterbüschel aufzuhängen. Beim Tiere füttern ist Mia, grade mal seit ein paar Tagen ohne Mama bei uns, ganz alleine mit dem Brot-Eimer zu den Ponys gegangen und hat sie seelenruhig gefüttert, obwohl sie bisher einen großen Bogen um sie machte. Noch einmal sollten wir Ginster holen, damit es für 25 Besen reicht. Weil Regen angesagt und noch einige Astgabeln zu schälen waren, fuhren wir kurzer Hand die 5 Minuten bis zur gestrigen Ginsterstelle mit den Autos. Nach dem Vespern entdeckten wir die schönsten Ginsterbüsche überhaupt. So konnten wir schon um 11 Uhr dem Regen entfliehen und die nächsten Ginsterbüschel in der Villa bündeln und aufhängen. Der Ginster hing und der Fußboden grünte. Mit einer beeindruckenden Selbstverständlichkeit und ohne Aufforderung holten sich die Großen Besen und Schaufel, um richtig sauber zu machen;

und unsere Jüngste, Mia, sieht das und sammelt alle Ginsterzweigchen vom Boden auf. Theresa Herzog und David versuchten sich im Schälen der Astgabeln auf den Ziehbänken. Anfangs braucht man etwas Zeit und Übung, um die Kombination aus Sitzen, mit den Füßen drücken und mit den Händen „ziehen“ zu koordinieren, aber alle Kinder, die sich bisher auf meine Ziehbänke eingelassen haben, hatten sehr schnell verstanden, wie sie (von den Zehenspitzen bis zu den Ohren) gut angespannt ganz entspannt auf der ältesten Werkbank (9. Jahrhundert) schälen und schnitzen können („Lass es mich tun“). Um den „Rest“ der Kinder nicht zu vergessen: Sie hatten am Maltisch viel zu tun! Freiwillig! Im Abschlusskreis las Heidrun das Märchen von der klugen Else vor, während die Kinder  „endlich mal wieder die getrockneten Apfelringe“ genossen. Die Vorschüler erweiterten ihr „Rechnen“ mit den Holzeiern, in dem sie die in den Eierschachteln gesetzte Rechenaufgabe zu Papier brachten: Die gesetzten Eier werden in Rechtecke mit zehn Quadraten eingezeichnet, rote Eier aus Schachtel 1 und blaue Eier aus Schachtel 2.

 



Sehr pünktlich konnten wir am Freitag um 8.30 Uhr von der Villa aus zum Seniorenzentrum starten; danke an Annette Kopp, die extra mit ihrem Bus kam, um mehrere Kinder mit nach Schiltach zu nehmen. Da die Straße vor dem Seniorenzentrum als Großbaustelle gesperrt ist, sind die Parkplätze jetzt hinter dem Gebäudekomplex und der Eingang im Kellergeschoss - sehr spannend und am besten ist das Aufzug fahren. Sehr herzlich wurden wir wieder in der Tagespflege Oase empfangen, wo heute vor 9 Uhr schon viele Senioren anwesend waren. Nach dem wir gevespert hatten, spazierten 10 Kinder und 2 Erwachsene wie fast immer der Schiltach entlang. Blumensträuße für die Mama’s pflücken hat mehrere Mädchen begeistert und sie suchten und fanden immer neue „Blumen“. Leider konnte ich nicht alle bestimmen, „dann nehmen wir nächstes Mal das Buch mit“, erklärte Justus, der schon recht viele Blumen kannte. In großer Runde mit 15 Senioren feierten wir im Schlossbergsaal unseren Morgenkreis. „Der Mai ist gekommen“ sangen die Senioren ohne Notenblätter aus vollem Herzen. Bei Mozart’s „Komm lieber Mai und mache“ wurde der Gesang dann etwas dünner. Nach den Regeln, der Monatskette und Heidrun‘s Lerngeschichte seilten sich alle Kinder mit unserem „Bergsteigerseil“ von den Senioren gehalten ab: Sie zogen mit einem Ende gut 20 Meter weit bis zur Eingangstür, dann zogen Alt und Jung und zwar kräftig. Es dauerte

einen Moment und da zogen die Senioren und die Mitarbeitenden doch die Kinder nach und nach in ihre Richtung  -  selbst als es sich der Chef, Herr Esslinger nicht nehmen ließ, bei den Kindern zu helfen. Zwei Kinder ließen sich nun auf dem Boden liegend ins Seil einrollen und von den Senioren wieder auswickeln. Alle Senioren hielten dann zwei Seile wie einen Weg in Händen und ließen die Kinder sich ihre Bahn bahnen. Erst ganz einfach und zum Schluss richtig schwer. Viele spannende Begegnungen entwickelten sich spielerisch. Den Höhepunkt der gemeinsamen Freude und Begeisterung erreichten wir mit den kleinen Erbsensäckchen: Erst wanderten sie von Hand zu Hand, dann über die Arme und Köpfe, als nächstes wurden sie auf den Köpfen balanciert, dann hochgeworfen und aufgefangen, mit einem Fuß hochgeschleudert und schließlich zwischen allen kreuz und quer hin und her geworfen und meistens aufgefangen … Es gab kein Halten mehr und wirklich alle, von knapp drei Jahren bis knapp 100 Jahren hatten die größte Freude miteinander. „Das ist so schön, wir sollen noch nicht aufhören!“ beschloss Theresa, als wir zehn vor zwölf mit aufräumen begannen. Vielen Dank an alle Mitarbeitenden und die Senioren für diesen herrlichen Morgen und das wunderbare Miteinander! Wir passen immer besser zusammen! Und danke an Gisela Herzog fürs Abholen der Kinder.

 



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