„Alles kahl geschoren!“ staunte Marion, als sie ihre Tochter Mia am Montag, dem letzten Tag ...

... der Eisheiligen (Kalte Sophie) gegen 12.30 Uhr bei mir zuhause abholte. Na, noch waren es erst zwei Schafe und ...


... mein Bart, aber immerhin. Wir hatten wunderschönes Wetter, 12 Kinder, Roland Maier als Vertretungskraft und Andrea Halter aus Durbach (FSJ‘lerin im Kindergarten), die zum Hospitieren kam und gleich ihre Großmutter mitgenommen hatte; beide kommen selbst von einem Bauernhof. Nach dem Morgenkreis schmiedeten wir den Tagesplan: Feuer anmachen im Backhäusle, Schaf scheren, „Wolle“ waschen, Vespern, Bart abschneiden, spielen, Pizzen herstellen und backen und essen. Gesagt, getan: Einmal rufen und alle 14 Schafe, vorneweg immer der Ziegenbock Peter kamen angerannt. Eine der ältesten Damen, „Lotte“ ging freiwillig mit zum Scheren und der Junior natürlich auch. Weil ich nicht wie ein Profi scheren kann, bleiben meine Schafe dabeistehen, meist sehr friedlich und warten, bis ich fertig bin. Die Kinder fühlten noch die

warme „Wolle“ und die Haut und bald sah das Schaf ganz anders aus, „so nackig!“. Gut 10 cm wachsen die „Haare“ beim Schaf in einem Jahr. Weil die „Liese“ so gelassen zuschaute, befreite ich sich auch gleich noch vom lästigen „Winter-Pelz“. Die schönen Stücke vom Fließ verteilten wir in drei Wannen, die Kinder spritzen mit dem Schlauch warmes Wasser dazu und rieben Kernseife auf der Käsereibe ins Waschwasser. Nun musste gerührt, gewendet und immer wieder hochgehoben werden, „wie eine Waschmaschine“. Drei Mal wird so die „Wolle“ gewaschen und dann etwa 4 Wochen auf einem Gitter der Sonne und dem Regen ausgesetzt, damit sie schön hell wird. Jetzt schmeckte das Vesper natürlich besonders gut und als alle satt waren, ging‘s mit Schere und Handspiegel an meinen Bart - wer wollte, schnitt Stück für Stück und reihum abwechselnd von meiner




„Wolle“ ab, bis auf etwa 1 cm Länge. Bald bemerkten die Ersten: „Du siehst ja ganz anders aus!“ Als ich den Rest des Bartes dann vollends selbst geschnitten hatte, kam die Bestätigung von allen: „Dich kennt man ja gar nicht mehr!“ Zum fünfzehnten Mal jährte sich diese kleine Tradition: Nach den Eisheiligen wird erst ein Schaf geschoren und dann der Bart. Inzwischen hat Peter beschlossen, dass er sich das Ganze doch mal genauer ansehen muss und hüpfte mal eben aus dem Stand über den Zaun, um sich unter die Kinder zu mischen. Die hatten ihre größte Freude und folgten dem neugierigen vierbeinigem Bartträger: Zuerst hinunter in den Gewölbekeller und dann grade aus in die Waschküche. Danach graste er alles ab, was er sonst nur außerhalb des Weidezaunes anschauen kann. Heidrun ließ Mathilda und Delaja auf ihm reiten und konnte sogar Mila überzeugen, dass das auf dem Peter ganz gemütlich zugehen kann; schließlich traute

auch sie sich. Das Baumhaus wurde noch

erobert und dann war Zeit, Heidruns

Pizzateig zu Kugeln zu formen, unter fachmännischer Anleitung von Roland.

Als die Teiglaibchen in der Sonne nochmals schön aufgegangen waren, formten alle kleine flache Pizzaböden. Auf Blechen verteilt,

belegte jedes Kind nach eigenen Wünschen

sein Gebäck. Wir zogen die Glut aus dem Steinofen und Roland schoss die Bleche mit

dem „Schießer“ ein. Während der Backzeit spielten die Kinder verstecken, fütterten die Hühner und sammelten deren Eier im Hühnerstall ein. „Das schmeckt nur bei dir so lecker“, verkündete Theresa, beim ersten Biss in die Pizza, obwohl sie anfangs noch erklärte, gar keine Pizza essen zu wollen. Jedem hat es geschmeckt und fast alle nahmen gerne noch etwas Pizza in der Vesperdose mit nach Hause. Fröhlich zogen dann alle ihre Wege, auch Andrea und die Oma waren beeindruckt und erfüllt, angesichts der fröhlichen und zufriedenen Kinder.




Schon wieder eine Großmutter besuchte uns am Dienstag, diesmal mit Enkelkind und dessen Eltern aus Alpirsbach. Es war ihr erster Besuch und beim Verabschieden war klar, das wird der Kindergarten für Jan, ab Juni, wir freuen uns sehr! Im Morgenkreis feierten wir Emma’s vierten Geburtstag nach: Theresa zündetet die 4 Geburtstagskerzen an und wir sangen das „Happy birthday“ für Emma. Bei der Planung hielten wir fest: Ein bisschen im Garten säen, ein bisschen im Wald unterwegs sein und ein bisschen Spielen bei den Schaukeln und im Sand. Zum Melken kamen Theresa und Rebecca mit: „Jetzt müssen wir wieder den Schwanz der Froni festhalten, weil die immer die Fliegen wegwedeln will“, stellten die Mädels bei den ersten Melkversuchen fest. Bei fast 20 Grad um 9 Uhr sind auch die lästigen Mitgeschöpfe schon eifrig unterwegs. Heidrun und Roland Maier machten sich mit 11 Kindern und unserem Besuch auf den Weg zum Federvieh und den Ponys. Anschließend bekamen die Kaninchen alles frisch gerichtet. Weil es vor der Villa unerträglich heiß geworden ist, sind wir zum Vespern in den Wald gegangen: „Hier ist es richtig schön kühl“, stellte David fest.

Rolands Idee, nach dem Vespern zur Burg hinaufzusteigen, überzeugte sofort alle, selbst die Jüngsten, denen solche Anstrengungen noch einiges abverlangen. Aber Heidrun hat Geduld und zusammen mit ihr, schafften es auch die kleinen Bergsteigerinnen bis nach oben. Hier sind gleich alle irgendwie beschäftigt gewesen. Schmunzelnd fiel uns im Team ein: Man müsste jetzt mal ein Mikrofon in den Wald halten, bei 14 Kindern … und dann zum Vergleich eines in einen Gruppenraum mit 14 Kindern … Nach

11 Uhr haben Roland und ich mit den Vorschülern in unserem Gärtchen mehrere Reihen Karotten, Kohlrabi, Kürbis und Zucchini gesät und mit Stöckchen und Wollfaden die Reihen markiert. Um 12 Uhr ließ Mathilda die Kuhglocke erklingen und wir versammelten

uns zum Abschlusskreis wieder auf unserem Waldstück (ohne Waldsofa  -  also wirklich).

Die Vorschüler schrieben in die Wetterblätter morgens 10 und mittags 23 Grad bei blauem Himmel. Mit den Holzeiern wurde wieder zusammengezählt, abgezogen und halbiert und dann die „berechneten“ Eier aus 2 Schachteln zu Papier gebracht.

 



Zu heiß war es am Mittwoch schon um 8.30 Uhr vor der Villa, also beschlossen wir, den Morgenkreis lieber in der Villa zu feiern. Nach dem die Tiere versorgt und Froni gemolken war, fuhren wir mit drei Autos Richtung Schiltach. An einer Stelle wächst der Haselnussbusch besonders üppig und wir brauchten noch die Querhölzer für die Rechen, die müssen frisch sein, damit die älteste Holzverbindung auch funktioniert: Trockenes Holz in nassem Holz eingefügt hält nach dem Trocknen wie nichts sonst! Wir vesperten im Schatten des Waldes und Roland Maier servierte seine frisch geernteten Rhabarberstängel in feinen, leicht gezuckerten Stückchen. Bald fanden wir ein paar schöne Haselstücke und fuhren wieder zurück. Jetzt musste Erde für das Kartoffelbeet aus dem Wald geholt werden. Die Großen erinnerten sich noch gut an diese Aktion im letzten Jahr: Mit dem Kettcar von Gutekunsts, einem Bollerwagen, einer Wanne und

5 Schaufeln zogen wir los. Die Älteren schaufelten erst den Anhänger des Kettcars voll, dann die Wanne auf dem Bollerwagen, aber da hatte ein Rad leider Plattfuß. Also machten sich 4 Kinder mit dem Kettcar auf den Rückweg  -  ganz schön kräftig galt es da an den Gefällstrecken mit vereinten Kräften zu bremsen, aber wir kamen gut am Garten an. Kaum hatten wir die Erde ausgekippt, da standen auch schon die ersten Hühner parat, um nach Würmern zu scharren. Roland Maier holte als Ersatzfahrzeug unseren Leiterwagen und transportierte die Wanne voller Erde mit einigen Kindern bis zum Garten. Eine Fuhre schafften wir noch mit dem Kettcar, da schlug die Uhr schon 12. „Morgen holen wir den Rest Erde und pflanzen halt dann die Kartoffeln“, beschlossen die Großen, während Jade das rückwärts Einparken mit dem Kettcar übte. Die Wetterblätter schafften die Vorschüler noch und eine Runde Rechnen mit den Holzeiern.



Recht angenehm begann der Donnerstagmorgen mit 15 Grad und Wolken, da ließ sich der Morgenkreis gut draußen feiern. Auf den Plan nahmen wir das Kartoffel „setzen“. Bei Froni gab es wieder viel Milch, fast 5 Liter konnten Anna, Jade und ich melken. Mit den Rucksäcken, dem Kettcar, dem Leiterwagen und den Schaufeln zogen wir nach dem Versorgen der Tiere wieder zum Erdhügel im Wald. Eine Wagenladung im Kettcaranhänger und eine im Leiterwagen sollten genügen. Sowohl beim Kettcar als auch beim Leiterwagen fahren sind die „Bremser“ wieder die wichtigsten Leute gewesen, damit die FahrerInnen nicht die Kontrolle über ihr Gefährt verloren. Unterm Wohnhaus angekommen, musste nun die Erde zum Kartoffelbeet gebracht werden. Da ging

es zwischen den Beerensträuchern und manchen Brennnesseln recht eng zu. Aber wir schafften mit vereinten Kräften alle Erde bis zum Beet. Dort verteilten die Kinder zuerst die Pappkartonstücke gleichmäßig auf dem Boden und schaufelten dann eine dünne Schicht Erde darauf. In „Reih‘ und Glied“ legte jedes Kind zwei oder drei Kartoffeln in den Humus. Jetzt wurden zuerst die Kartoffeln zugedeckt und schließlich das ganze Beet. Viertel vor 12 hatte Roland Maier alles schön eingeebnet und wir machten uns ans Aufräumen der Fahrzeuge und Arbeitsgeräte. Danke an Familie Gutekunst, die uns die Kartoffeln geschenkt hat! Mit lauter aufräumen hatten wir keine Zeit mehr für den Abschlusskreis und die Wetterblätter, aber Ausnahmen bestätigen auch bei uns die Regel.



Recht nass begann der Freitag: Ab 8 Uhr goss es in Strömen und das hielt mit kleinen Abschwächungen bis 12 Uhr. Dankenswerter Weise haben Annette Kopp, Janine Mutscheller und Marion Geyen mit ihren Autos alle Kinder nach Schiltach ins Seniorenzentrum gefahren, denn Heidrun konnte 4 Kinder transportieren und ich keines, weil mein Golf Kombi bis unters Dach voll beladen war mit Haselnussstecken, Ginsterbüscheln, Buchenastgabeln, 50 Schau- feln und allerlei Werkzeug von Roland Maier, der natürlich den Beifahrersitz brauchte, damit wir um 12 Uhr von Schiltach aus nach Duder- stadt fahren konnten, um an der 21. Fachta- gung des Bundesverbandes der Natur- und Waldkindergärten aktiv teilzunehmen (mit 2 Workshops, bei denen jeweils 25 Teilnehmende die fünf Kinder-Arbeitsgeräte herstellen: Schaufel, Besen, Rechen, Hacke und Gabel). In der Tagespflege Oase empfingen uns strahlende Senioren und Monique, die Pflegedienstleiterin sehr herzlich. Nachdem alle Kinder gevespert hatten und es draußen weiter kräftig regnete, haben wir uns vor der Spielecke am

Schlossbergsaal niedergelassen. Jedes Kind suchte sich ein Bilderbuch aus und stellte es dann Seite um Seite vor: Ein „Streichel-Buch“ gab Theresa Schaupp in die Runde, David zeigte verschiedene Haustiere, Justus allerlei Eisen- bahnen und Theresa Herzog hatte sich natürlich ein Liederbuch ausgesucht; daraus sangen wir die einigermaßen bekannten Songs. Schon stand die Uhr auf 10 und die ersten Tagesgäste wurden in den Schlossbergsaal gebracht und nahmen im großen Stuhlkreis Platz, in dessen Mitte sich die Kinder auf Kissen sitzend um die große Kerze versammelten. „Guten Morgen, liebe Sonne“ sangen alle mit großer Inbrunst und das „Alle Vögel sind schon da“ ebenso. Heidrun führte durch den Morgenkreis und las ihre Lerngeschichte für Theresa Schaupp vor, wie sie am Donnerstag sehr liebevoll und fürsorglich unserer Mia half, den Pappkarton in den Garten zu bringen. Nun lud Ursel zu einem spannenden und abwechslungsreichen Programm ein, in altbewährter Gewohnheit einer Erzieherin (und Mutter): Auf dem Boden, zwischen den Senioren und den Kindern



verteilte sie verschiedenste „Naschereien“ wie Marshmallows, Lollys, Traubenzucker, Popcorn, Früchteyoghurt, Vollkornkekse, Chips, Kinder-schnitte, Gummibärchen, Schokolade und Erdbeeren. Da lief nicht nur den Kindern das Wasser im Mund zusammen und alle warteten gespannt, was Ursel damit vorhatte. Sie führte uns zum Thema Zucker, erzählte die wichtigsten Fakten und ließ die Alten und die Jungen berichten, was sie alles über den Zucker und seine guten und schlechten Seiten wussten. Da kam einiges zusammen! Und als Ursel dann zum Probieren einlud, gab es kein Halten mehr, allerdings gar nicht gierig, sondern sehr gelassen und freundlich wurde geknabbert, gelutscht, abgebissen und gut gekaut. Viele der Senioren kannten die Marschmallows nicht, fanden sie aber überwiegend sehr lecker, die „Schaumstoffdinger“, wie Frau Kullak bemerkte, als Roland M. ihr ein Stück „Matratze“ anbot. Ursel hatte noch mehr zu bieten: Sie erklärte uns, wie der Zucker aus der Rübe und dem

Zuckerrohr hergestellt wird. Dann reichte sie 15 Gläschen mit je einer anderen Zuckerform den Kindern und die ließen die Senioren alle „Arten“ anschauen, riechen und schmecken. Der Höhepunkt, genau richtig platziert, kam ins Spiel, als Susanne auf dem Boden sitzend, eine Rübe spielte und erst der Opa, dann die Oma, von den Kindern gespielt, vergeblich versuch- ten, die Bodenfrucht herauszuziehen. Erst als das Enkelkindchen, das Hündchen, das Kätz-  chen und schließlich das Mäuschen ziehen halfen, konnte die Rübe gezogen werden. Die Kinder fanden‘s so schön, dass sie das Ziehen gleich nochmal versuchen wollten. Zum Ab- schluss verteilte Ursel an alle ein Rate- und Ausmalblatt, auf dem süßes und nicht süßes Obst und Gemüse voneinander unterschieden werden sollten. Angesichts der Zeit nahmen die Kinder das Blatt einfach mit nach Hause. Wir danken Ursel und Susanne für den sehr gelun- gen, lebendigen und lehrreichen Vormittag! Wir kommen gerne wieder, auch ohne Süßigkeiten.



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