Manche Kindersätze ...

... haben es ja in sich und lassen in Folge dessen ...


... tief blicken: „Ich möchte heute melken“, ist so einer. Das dauert bis solch ein Satz „kommt“ und das ist völlig in Ordnung, denn „aller Anfang ist schwer“ und „gut Ding will lang Weil haben“. Nebenbei ist das auch eine Bestätigung der eigenen Arbeit. Und wenn solch ein Satz gleich schon im Morgenkreis bei der Planung fällt, dann breitet sich diese eine Befindlichkeit auf viele (Kinder) aus: „Dann geh ich auch

melken“, kam spontan von einer Vorschülerin und kurz danach meinten mehrere jüngere Kinder: „Dann geh ich auch mit zur Froni.“ Die gingen aber dann doch lieber mit Karin und Julia die Hühner und die Kaninchen füttern, aber die Motivation war da. Auch unterwegs im Wald, gleich bei den ersten Trompetenpfiffer-

lingen, als der Pfad so steil bergauf führte, steiler ging es kaum, alle haben es geschafft. Lange ließen die Schwammerln auf sich warten und erst nach einem ebenso steilen Abstieg quer waldein, kurz vor 12 Uhr entdeckten wir Unmengen von den Trompeten und einige echte Pfifferlinge, fast einen ganzen Spankorb voll. Klar, wir kamen mal wieder zu spät zurück, aber erfüllt und zufrieden und mit der klaren Perspektive: „Jetzt müssen wir die auch alle putzen und zum Trocknen legen“, klar! Da passen keine 11 Kinder um einen Tisch, aber 5 oder 6, auch klar und für den Rest der Gruppe hatte unser Gast Lena, Davids große Schwester gleich eine Idee: Ein Bilderbuch vorlesen; auch klar.




Manche Kindersätze haben es ja in sich und ihre Botschaft breitet sich aus: Am Donnerstag besuchte unsere Vorschülerin Theresa das Vorschulangebot

im Kinderhaus Aichhalden, konnte also nicht mit

zum Melken. Nun stelle sich die Frage, welche

Zwei von Drei Vorschülern mit gehen; Jule und

David halfen gestern mit, blieb also für heute nur Emma und ? In wenigen Sekunden begriff Jule die Sachlage und meinte strahlend: „Dann geh ich einfach nochmal mit; ich mach das gerne!“ (bei so viel Sachverstand und Herzblut kriege ich Herzklopfen!) Mit Elan saßen die Beiden dann auch neben Froni und molken mal eben mehr als

1 ½ Liter weißes Gold. Mit etwas Verspätung kam Johanna Graf aus Tübingen-Hirschau zu uns (für 2 Tage!); Johanna besucht das Waldorfseminar in Stuttgart (Freie Fachschule für Sozialpädagogik) im zweiten Jahr der PiA-Ausbildung zur staatlich anerkannten Erzieherin. In ihrer fröhlichen und offenen Art hat sie sich gleich auf unsere geplante kleine „Reise“ eingelassen: In einem Waldstück bei Rötenberg wollten wir nochmals (die vermutlich letzten) Pilze (für dieses Jahr) suchen. Nach achtminütiger Autofahrt streiften 11 Kinder und 4 Erwachsene, samt unserem nicht mehr Schnupperkind Jan vorbei an Heidelbeerbüschen



büschen, stapften über herrlich weiche Moosdecken und kletterten über allerlei Gehölz, Geäst und junge Tannen. Immer wieder entdeckten die Kinder Maronenröhrlinge und Trompetenpfifferlinge, die

sie vorsichtig aus dem Waldboden zogen und die „Wurzeln“ mit den Taschenmessern abschnitten, damit möglichst kein „Schmutz“ mit in die Spankörbe kommt. Vor 12 Uhr kehrten wir zurück und hatten alle Hände voll zu tun, bis sämtliche Pilze gesäubert, geschnitten und zum Trocken ausgelegt waren. Unsere jüngsten, Mia und Delaja hatten entdeckt, dass das Auslegen der geschnittenen Pilzstücke

auf den Trockengittern genau ihr Ding ist:

Nach dem Karin ihnen zeigte, wie es geht, holten sie ein Schneidebrettchen voller Pilzstücke ums andere vom  „Putztisch“ und platzierten hunderte davon so perfekt auf den „Gittern“, dass nicht eins das andere berührt,  „weil die sonst schimmeln und das wollen wir nicht!“ Und wer drinnen keinen Platz hatte beim Pilzeputzen, der schnitt die Reste draußen vor der Villa zu einer Pilzsuppe. So viel freiwillige

Fingerfertigkeitsübungen! Johanna bemerkte zum Schluss: „Mit welcher Selbstverständlichkeit, Gelassenheit und Begeisterung die Kinder überall dabei sind! Das erlebt man sonst kaum.“



Manche Erwachsenensätze haben es auch in sich und ihre Botschaft breitet sich aus: Am Freitag hat uns Johanna Graf den zweiten Vormittag lang begleitet. Nach guter Tradition fuhren wir mit 4 PKW’s und 11 Kindern ins Seniorenzentrum nach Schiltach. Wie immer wurden wir wieder herzlich von den ersten Tagesgästen und den Mitarbeiterinnen empfangen. Wie selbstverständlich suchten sich die Kinder und wir ein Plätzchen in der Oase und vesperten gemüt-lich. Leider fing es draußen an, in Strömen zu regnen, sodass wir beschlossen, ohne Spaziergang direkt in den Schlossbergsaal zu wandern. Dort halfen alle mit, die Stühle zum Kreis zu stellen, Sitzkissen zu verteilen und unseren kleinen Erntedank-Altar zu

schmücken. Jedes Kind hatte ein Stück Gemüse dabei und Ursel brachte noch weitere Zutaten. Bis alle Gäste angekommen waren, übten wir schon mal die neuen Lieder. Kurz vor 10 Uhr feierten wir den Morgenkreis mit Luftregeln und der Luftmonatskette. Julia las ihre besondere Lerngeschichte vor: Extra für Johanna Graf und über ihren ersten Tag bei uns geschrieben! Gut gemacht! Und Johanna war gerührt. Eine lustige Diskussion entfacht sich immer bei der Frage, wer jetzt welche Tiere versorgt - es sind ja keine da … Rund um das Erntedankfest hatten wir uns im Team Gedanken gemacht. Zuerst reichten die Kinder den Senioren ein Gemüseteil nach dem andern, um alles zu fühlen und zu riechen und



anschließend weiter zu geben. Da wurden vor allem bei den Senioren viele Erinnerungen wach. Zu fühlen gab es eine Frucht im zugedeckten Körbchen und ich habe behauptet, dass 10 Apfelbäume im Körbchen liegen (?). Schnell kamen einige auf die Idee: Das

sind die Kernchen von einem Apfel. Wird ein Apfel quer durchgeschnitten, lassen sich die 5 Stübchen sehr schön erkennen, samt den 10 Kernchen, zwei

in jeder Kammer. Natürlich sangen wir das

Apfellied: „In meinem kleinen Apfel, da sieht es

lustig aus, es sind darin fünf Stübchen, grad wie

in einem Haus“ nach der Melodie von Wolfgang Amadeus Mozart und von Karin am Akkordeon begleitet. Wie Jesus zehn Aussätzige geheilt hat

und dass nur einer zurückkam, um Jesus dafür

zu danken, erzählte ich und wir überlegten, was diese Geschichte mit Erntedank zu tun hat: Wir haben so viele Anlässe, danke zu sagen, für alles, was Gott uns gegeben hat und täglich zum Leben schenkt; tun wir‘s denn auch? Alle vier Strophen vom Gesangbuchlied „Wir pflügen und wir streuen, den Samen auf das Land, doch Wachstum und Gedeihen stehn in des Himmels Hand“ übten und sangen wir mit musikalischer Klavierbegleitung von Karin. Sämtliches Gemüse wurde nun am großen Tisch von den Kindern und einigen Senioren bearbeitet. Wir staunten nicht schlecht, mit welchem Geschick und welcher Geschwindigkeit zwei Männer Karotten und Kartoffeln schälten und kleinschnitten, klasse. Das geschnittene Gemüse hat Susanne und Monique



zu einer feinen Gemüsesuppe gekocht und püriert. Während dessen konnten die Kinder eine kleine Draußen-Spielrunde einlegen, bis zum nächsten Regenguss. Drinnen hat Karin mit den Senioren verschiedene Herbstblätter ihren Baumarten zugeordnet und Kastanien in Becher werfen lassen. Das Zielwerfen gefiel auch den Kindern gut und wir nutzten die Kastanien gleich noch zum Zielrollen, einander zuwerfen und fangen und um die Würfelaugen nachzulegen und nachzuzählen. Die Senioren machten sich auf den Weg in die Oase. Wir räumten Kissen und Stühle auf und dann fuhr Susanne die duftende Suppe mit Tassen und Kaffeelöffeln auf dem Speisewagen in den Saal. Nicht alle, aber die meisten Kinder und alle Erwachsenen

genossen das feine Süppchen gerne und manch einer schöpfte mehrfach nach. Da standen die Uhrzeiger auch schon auf zehn nach zwölf und wir stiegen glücklich und zufrieden in die Autos. Schon morgens hatte Johanna betont, wie dankbar sie sei für die Zeit bei uns. Als Dankeschön überreichte sie eine feine Leckerei fürs Team und viele Gummibärchen für die Kinder. Mittags beim Verabschieden genossen die Kinder dankbar schon mal je zwei

Bärchen und auch Johanna und wir freuten uns über die gemeinsame Zeit. „Es hat mir so gut gefallen bei euch; ich würde am liebsten hier bleiben“, mit diesem Erwachsenensatz verbreitete sie schließlich eine dieser schönen Botschaften, die zu Herzen gehen. 

Danke Johanna!



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