Bauernhofpädagogik  und  unser  kleines  Konzept ...

Die meisten Kinder wachsen heute weitgehend in einem beengten, bewegungsarmen, technisierten, reizüberfluteten und unnatürlichem Umfeld auf, das viel zu wenige Entfaltungs- und Entwicklungs- möglichkeiten bietet. Es fehlt an Ursprünglichkeit, dreidimensionalen (ganzheitlichen und mit allen Sinnen erlebten) Erfahrungen, die den Kindern den Kreislauf von Leben und Natur widerspiegeln.

Darum sollen die Kinder bei uns den Bezug und die Achtung gegenüber Tieren, Pflanzen und der ganzen Schöpfung entwickeln und einüben können. So wird die Natur den Kindern nicht fremd. Sie lernen ihre Mitwelt zu verstehen und mit ihr in Einklang zu leben. Das Prinzip der nachhaltigen Entwicklung kann schon in den ersten Kindheitsjahren vermittelt und als umsetzbar positiv erfahren und erlernt werden.

Das Erleben unserer Tier- und Pflanzenwelt ist für die kindliche Entwicklung gerade in den ersten Lebensjahren enorm wichtig. Deshalb sollen die Kinder bei uns die lebendigen Kreisläufe der Natur als gut und verlässlich erleben. Dadurch fühlen sie sich geborgen, beheimatet und „ge-erdet“. Sie werden gefestigt, selbstbewusst und damit selbst-sicher in ihrer Persönlichkeit und in der Gemein-schaft. In der unmittelbaren, sehr naturbelassenen Umgebung des Bauernhofes findet jedes Kind eine Vielfalt an körperlicher Betätigung und Bewegung ganz selbstverständlich: ob im Spiel mit Natur- material, beim Erkunden des Waldes oder im Umgang mit und bei der Pflege von verschiedenen Tieren.

 

Wir wollen in unserer Einrichtung diese beiden pädagogischen Ansätze miteinander verbinden.



Da kommt uns der ganzheitliche Ansatz, wie ihn leider die nur noch wenigen Bauernhoffamilien mit ihren Tieren, den Pflanzen im Garten, den Wiesen und Wäldern  als Großfamilie vor-leben, sehr entgegen. Die Kinder beobachten und erfahren hautnah und „in echt“ wie z.B. Lämmer, Hühner- und Gänseküken, ein Kälbchen oder ein Fohlen zur Welt kommen. Sie erleben das Aufwachsen der Tiere in allen Bereichen mit und lernen auch den natürlichen Umgang mit dem Sterben und dem Tod kennen. Ob beim Tiere füttern, beim Misten, beim Einstreuen, beim Melken oder bei der Schafschur, für die Kinder sind alle Begegnungen hautnah, je nach Vermögen und immer von existentieller Bedeutung: wir brauchen einander.

Ebenso wichtig ist uns der andere Teil des Bauernhofalltags: das Erzeugen und Verarbeiten von Lebens- und Futtermitteln: Aktiv und mit den eigenen Händen beteiligt (Herz, Hand und Verstand), erleben die Kinder, wie wir gemeinsam, von der Aussaat und Pflanzung bis hin zur Ernte mit- und zusammen-arbeiten müssen, damit schließlich geerntet, verarbeitet, gelagert und dann auch gegessen und genossen werden kann, was die Natur, besser gesagt der Schöpfer uns (und den Tieren) schenkt, wenn wir sie gut und verantwortungsbewusst und nachhaltig be-hand-eln.



Die Kindergartenkinder bekommen durch hauswirtschaftliches Arbeiten, handwerkliche und landwirtschaftliche Tätigkeiten und das gärtnerischen Arbeiten einen direkten, natürlichen und selbstverständlichen Bezug zum Leben.

Der natürliche Rhythmus von Werden, Leben und Vergehen prägt sich auf vielfältige Art und Weise ganz selbstverständlich und kindgemäß ein, ohne Druck und Stress und gerade deshalb viel intensiver, persönlicher und ganzheitlicher.



auf dem Weg zu den Grundlagen einer Bauernhofkindergartenpädagogik:

Die Bundesarbeitsgemeinschaft Lernort Bauernhof  (BAGLoB) hat es sich dankenswerter weise zur Aufgabe gemacht, die Grundlagen für eine Kindergartenpädagogik auf dem Bauernhof zu erarbeiten:

Kompetent im Leben werden

Besondere Chancen im Bauernhofkindergarten

BAGLoB-Argumentationen für Bauernhofkindergärten

 

Diese Argumentationshilfe der BAGLoB wurde inspiriert durch das Papier „Was Kinder brauchen – Waldorfkindergärten als Kompetenz-Zentren“ sowie inhaltlich geprägt durch die Untersuchung von Franziska Hampl zur Umsetzung offizieller Bildungsbereiche in Bauernhofkindergärten.

 

Autoren:  Dr. Ulrich Hampl und Hans-Heiner Heuser, BAGLoB e.V.,

unter Mitwirkung von Praktiker/inne/n in Bauernhofkindergärten, u.a. Susanne Siegl u. Helmut Siegl             

Endfassung vom 17.11.2016

 

Mit freundlicher Erlaubnis der BAGLoB  kann dieses hervorragende und bislang bundesweit einmalige Dokument  

hier  heruntergeladen werden!